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Naturwälder für Hessen

Die Hessische Umweltministerin Priska Hinz hat am Dienstag, den 9. April insgesamt 6.400 Hektar Staatswaldflächen vorgestellt, auf denen künftig auf forstwirtschaftliche Nutzung verzichtet wird.

Die Naturschutzverbände BUND Hessen, Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, NABU Hessen sowie die Zoologische Gesellschaft Frankfurt freuen sich insbesondere über acht große Waldgebiete, die sich künftig natürlich entwickeln dürfen und aus ihrem Konzept „Land der Naturwälder“ (weitgehend) übernommen wurden. Besonders die großen zusammenhängenden Bereiche im Reinhardswald, am Vogelsberg, am Grünen Band bei Wanfried und im Kammerforst (Rheingau) sind ein großer Gewinn für Mensch und Natur. Ein herausragender Erfolg ist der Schutz der nördlichen Ederseesteilhänge, der eine Erweiterung des Nationalparks Kellerwald-Edersee in greifbare Nähe rückt. Die großen Schutzgebiete sind die Voraussetzungen für ein umfassendes Naturwaldverbundsystem in Hessen, in denen Wälder wieder alt werden dürfen.

Die veröffentlichten Pressemitteilungen der Umweltministerin und der Initiative „Wildnis in Deutschland“ finden Sie hier:

Pressemitteilung des Umweltministeriums in Hessen
Pressemitteilung von BUND, HGON, NABU und ZGF

Das Konzept der Naturschutzorganisationen mit 25 konkreten Vorschlägen für große Waldschutzgebiete in Hessen finden Sie hier.

29./30.09.2018: HGON-Tagung „Wölfe, Wälder, Wildnis“, Heidenrod

Bernhard Grzimek, Wildnisschützer und Freund der Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. (HGON), war mit seiner Sendung „Ein Platz für Tiere“ Wegbereiter des Naturschutzes. Der Titel ist bis heute aktuell. „Natur braucht Raum“ ist auch zentrales Anliegen der HGON und Thema der diesjährigen Herbsttagung am 29. und 30. September 2018 im hessischen Heidenrod. Denn wir brauchen Schutzgebiete und großräumige Wildnisflächen für die natürliche Entwicklung. Von großen wilden Wäldern über die kleinen Bechsteinfledermäuse mit ihren großen Raumansprüchen bis zum Wolf, der nach Deutschland zurückkehrt: Es geht immer darum, wieviel Raum wir der Natur zugestehen wollen. Zu diesen Themen werden Experten referieren und Einblicke geben. Doch zuerst kann Naturwald direkt erlebt werden. Denn die Tagung startet mit einer Exkursion in den FSC-zertifizierten Wald von Heidenrod – einem ca. 160-jährigen alten Buchenaltbestand mit Bruthöhlen. Dieser Wald wurde vor rund zehn Jahren aus der Nutzung genommen und darf sich seitdem zu einem „Urwald von morgen“ entwickeln. Der zweite Tag beginnt mit Grußworten von Oliver Conz (Vorsitzender HGON), Volker Diefenbach (Bürgermeister Heidenrod) sowie Priska Hinz (Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz). Im Anschluss werden Fachreferenten Vorträge zur Wildnis in Deutschland und Naturwäldern in Hessen halten. Neben großflächigem Naturschutz geht es dabei auch um Bechsteinfledermäuse, den offenen Luftraum und Feldhamster. Zudem wird der Zoologe und Fotograf Axel Gomille, Autor des Buches „Deutschlands wilde Wölfe“, einen gleichnamigen Vortrag halten.

Sind Sie neugierig geworden? Dann lesen Sie in diesem Flyer das detaillierte Programm sowie weitere Informationen.

Anmeldeschluss ist der 21. September 2018.

Link: www.hgon.de

19.08.18: Wildnis „schnuppern“ in Frankfurt

Wildnis in der Stadt? Gibt es das überhaupt? Wilde Natur ist fast überall möglich. Denn zieht sich der Mensch (wieder) zurück, kann die Natur gestalten – und das selbst mitten in einer Großstadt. Wo und wie das geht zeigt das Projekt „Städte wagen Wildnis„. Darin leisten die drei Städte Hannover, Frankfurt am Main und Dessau-Roßlau einen besonderen Beitrag zur biologischen Vielfalt und lassen ausgewählte Flächen wieder wilder werden. In Frankfurt informieren eigens ausgebildete Wildnislotsen die Öffentlichkeit und Interessierte über (Wege zu mehr) Wildnis in der Stadt. So auch an der kommenden Veranstaltung „Sport in der Natur“ im Frankfurter Nordpark Bonames am Sonntag, den 19. August. Auf dem Fest gibt es viele sportliche Mitmachaktionen für Alt und Jung. Als besonderes Highlight können die BesucherInnen an einer Wildnisführung im Nordpark teilnehmen. Organisiert wird die Veranstaltung von BioFrankfurt – das Netzwerk für Biodiversität e.V. BioFrankfurt ist Projektpartner bei „Städte wagen Wildnis“ und zudem Projektleiter im Subprojekt „Frankfurt wagt Wildnis“. Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Doch auch hinter der „Wildnis in der Stadt“ geht es weiter. Nicht nur hier, sondern vor allem auch außerhalb der Städte ist noch viel zu tun: Denn Deutschland braucht mehr Wildnis und dafür gibt es viele gute Gründe. Um das von der Bundesregierung gesteckte 2-Prozent-Wildnisziel bis 2020 zu erreichen, werden viele weitere große Flächen benötigt. Derzeit darf erst auf rund 0,6 Prozent der Landesfläche Natur wieder großflächige Wildnis sein. Große, unzerschnittene Flächen eignen sich besonders gut als Wildnisgebiete der Zukunft. Daher setzen sich die Naturschutzverbände gemeinsam für mehr große Waldschutzgebiete in Hessen und Deutschland ein.

Weitere Informationen:
Unser Wegweiser zu mehr Wildnis in Deutschland
Vorschläge für 25 große Waldschutzgebiete in Hessen, Land der Naturwälder
Gute Gründe für mehr Wildnis in Deutschland und Wildnis in Zahlen
„Schnuppern“ auch Sie Wildnis in Ihrer Nähe und engagieren Sie sich für mehr Wildnis in Deutschland!

Tag des Waldes: Mehr Naturwälder für Hessen!

Naturschutzverbände legen Vorschläge für 25 Waldschutzgebiete vor

Pünktlich zum Tag des Waldes am 21. März präsentieren die Naturschutzorganisationen NABU Hessen, BUND Hessen, HGON, ZGF, Greenpeace und WWF Deutschland konkrete Vorschläge für 25 große Waldschutzgebiete in allen Landesteilen Hessens. Das Konzept zeigt, wie ein wichtiges, politisches Ziel erreicht werden kann: Eine natürliche Entwicklung auf fünf Prozent der hessischen Waldfläche bis zum Jahr 2020. Naturwälder tragen zum Erhalt der Artenvielfalt und zum Schutz des Klimas bei. Damit schaffen wir wertvolle Naturwälder – für uns, unsere Kinder und kommende Generationen.

Die Landesregierung hat sich in ihrer hessischen Biodiversitätsstrategie vorgenommen, auf fünf Prozent der hessischen Waldfläche auf eine forstwirtschaftliche Nutzung zu verzichten. In diesen Wäldern sollen Bürger wilde Natur erleben dürfen. Gleichzeitig profitieren viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten von diesen Naturwäldern: Die Strukturvielfalt ist viel höher als im Wirtschaftswald. Statt junger, gerader Bäume gibt es hier viel mehr alte, dicke und krumme Bäume. Auch abgestorbene Bäume bieten ökologische Nischen für Arten, die im Wirtschaftswald fehlen. Der Schutz dieser für Deutschland typischen Arten ist eine internationale Verpflichtung. So wie afrikanische Staaten große Schutzgebiete für Löwen und Giraffen ausweisen, müssten hier die für Hessen typischen Buchenwälder geschützt werden.

Bisher sind vom fünf-Prozent-Naturwälder-Ziel allerdings erst drei Prozent erreicht. Gemeinsam haben sechs Naturschutzorganisationen deshalb ein Konzept veröffentlicht, in dem sie 25 große Waldschutzgebiete im Staatswald vorschlagen. Dort können in Hessen wichtige Waldlebensräume repräsentativ geschützt werden. Es gibt in Hessen bereits eine Reihe an kleinen Gebieten, die geschützt sind und zum fünf-Prozent-Ziel beitragen. Größere Gebiete sind aber deutlich unterrepräsentiert. Insbesondere geschützte Wälder mit einer zusammenhängenden Mindestgröße von 1.000 Hektar sind rar, aber besonders wichtig, wenn möglichst ungestörte Wildnis entstehen soll.

Naturwälder sind eine Bereicherung für uns Menschen

Andere Bundesländer schmücken sich mit ihrem Hochgebirge, Wattenmeer oder Seen – für Hessen könnten natürliche Wälder ein echtes Alleinstellungsmerkmal sein. Kein anderes Bundesland hat einen höheren Waldanteil als Hessen. 38 Prozent der Wälder befinden sich im Besitz des Landes. Mit seinen ausdehnten Laubwäldern hat Hessen den höchsten Anteil sehr naturnaher Wälder bundesweit. Hier kann umgesetzt werden, was anderswo nur schwer erreicht werden kann. Das wäre für Hessen auch touristisch ein Gewinn: Die Menschen sind ausdrücklich dazu eingeladen, Naturwälder zu erleben. Egal ob Umweltbildung oder Wandertourismus, Naturwälder halten für jeden Besucher spannende Erfahrungen bereit. Der Nationalpark Kellerwald-Edersee ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ökologischer Mehrwert und mehr Klimaschutz auch ökonomisch rechnen.

Für Rückfragen:

Mark Harthun
NABU Hessen
Tel. 06441-67904-16
Mark.Harthun@NABU-Hessen.de

Beteiligte Verbände

Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF)
Naturschutzbund Deutschland (NABU), LV Hessen
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) 
LV Hessen Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. (HGON)
Greenpeace e.V.
WWF Deutschland (WWF)

Weiter Infos zur Broschüre finden Sie hier

 

Chance nutzen: Hessen – Land der Naturwälder!

Naturschutzverbände legen Vorschläge für 25 Waldschutzgebiete vor

NABU Hessen, BUND Hessen, HGON, ZGF, Greenpeace und WWF Deutschland setzen sich gemeinsam für mehr Naturwälder in Hessen ein und liefern konkrete Vorschläge für 25 große Waldschutzgebiete. Das Konzept zeigt, wie ein wichtiges politisches Ziel erreicht werden kann: Eine natürliche Entwicklung auf fünf Prozent der hessischen Waldfläche bis zum Jahr 2020. Bisher sind von diesem Ziel erst drei Prozent erreicht. Die vorgeschlagenen Naturwälder tragen dazu bei, die biologische Vielfalt in Hessen zu schützen. Damit schaffen wir wertvolle Naturwälder – für uns, unsere Kinder und kommende Generationen. Die Broschüre steht als PDF Download zur Verfügung oder kann bei der Initiative „Wildnis in Deutschland“ bestellt werden.

 

Gute Gründe für Naturwälder

Viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten profitieren vom Naturwald, weil hier die Strukturvielfalt viel höher ist als im Wirtschaftswald: Statt junger, gerader Bäume gibt es hier viel mehr alte, dicke und krumme Bäume. Auch abgestorbene Bäume bieten Lebensraum für Arten, die im Wirtschaftswald fehlen. Allein 1.500 Pilzarten sind in Deutschland darauf angewiesen. Diverse Vertreter der sogenannten Urwaldkäfer können brauchen ein ausreichendes Angebot an alten Bäumen. Auch Bechsteinfledermäuse brauchen z. B. nicht nur eine Baumhöhle zum Überleben, sondern gleichzeitig 35 bis 40 Wechselquartiere. Nur Naturwälder können das leisten.
Der Schutz dieser für Hessen typischen Arten ist eine internationale Verpflichtung. So wie afrikanische Staaten große Schutzgebiete für Löwen und Giraffen ausweisen, müssten hier die für Hessen typischen Buchenwälder geschützt werden. Mehr als 7.500 verschiedene Arten können in Naturwäldern leben, verzichten wir auf die forstwirtschaftliche Nutzung.

Auswahlkriterien für die Waldschutzgebiete

Die Naturschutzorganisationen haben bei ihrer Auswahl mehrere fachliche Kriterien zugrunde gelegt: Die vorgeschlagenen Gebiete haben die größten Laubwaldanteile und einen möglichst hohen Anteil an alten Waldbeständen. Die Vorschläge orientieren sich an bereits bestehenden Schutzgebieten (Natura 2000, Naturschutzgebiet, Naturwaldreservat) und optimieren deren Schutz. Sie sind ganz überwiegend nicht von Straßen durchschnitten und bieten damit die größte Sicherheit für Tiere. Und sie decken alle Wuchsgebiete vom Flachland bis zur Gebirgsstufe, von Kalkgestein über Sandstein bis Granit ab. So werden alle verschiedenen Laubwald-Ausprägungen vom nassen Auwald bis hin zum trockenen Eichenwald Hessens abgebildet.

Auf die Größe kommt es an

Es gibt in Hessen bereits eine Reihe an kleinen Gebieten, die geschützt sind und zum Fünf-Prozent-Ziel beitragen. Größere Gebiete sind aber deutlich unterrepräsentiert. Insbesondere geschützte Wälder mit einer zusammenhängenden Mindestgröße von 1.000 Hektar sind rar, aber besonders wichtig, damit hier möglichst ungestörte Wildnis entstehen kann.
So findet sich in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ein weiteres Ziel: Die Natur soll sich auf zwei Prozent der Landesfläche in großflächigen Wildnisgebieten wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten ungestört entwickeln dürfen. Große Waldschutzgebiete decken daher gleich zwei Ziele der Biodiversitätsstrategie auf einmal ab.
Und noch ein drittes politisches Ziel wird verwirklicht, werden die Vorschläge der Naturschutzorganisationen angenommen: Im Rahmen der zuletzt von der hessischen Koalition beschlossenen Zertifizierung des Staatswaldes nach dem neuen FSC-Standard muss Hessen noch weitere 6.400 Hektar zu Naturwäldern entwickeln – auch diese könnte das Land aus diesen Gebietsvorschlägen auswählen. Um möglichst große Flächen zu erreichen, wurden die Vorschläge so abgegrenzt, dass sie möglichst viele der bereits bestehenden sogenannten Kernflächen einschließen. Es gibt bereits 2.337 Kernflächen ohne Holznutzung im Staatswald, die jedoch in der Regel nur sehr klein sind und bedrohten Arten höchstens für eine Übergangszeit Lebensraum bieten können.

Naturwälder sind eine Bereicherung für uns Menschen

Andere Bundesländer schmücken sich mit ihrem Hochgebirge, Wattenmeer oder Seen – für Hessen könnten natürliche Wälder ein Alleinstellungsmerkmal sein. Kein anderes Bundesland hat einen höheren Waldanteil als Hessen. 38 Prozent dieses Waldes befinden sich im Besitz des Landes. Und mit seinen ausdehnten Laubwäldern hat Hessen den höchsten Anteil sehr naturnaher Wälder bundesweit. Hier kann umgesetzt werden, was anderswo nur schwer erreicht werden kann. Das wäre für Hessen auch touristisch ein Gewinn: Die Menschen sind ausdrücklich dazu eingeladen, Naturwälder zu erleben. Egal ob Umweltbildung oder Wandertourismus, Naturwälder halten für jeden Besucher spannende Erfahrungen. Der Nationalpark Kellerwald-Edersee ist ein gutes Beispiel dafür.

Für Rückfragen:

Mark Harthun
NABU Hessen
E-Mail: Mark.Harthun@NABU-Hessen.de

Beteiligte Verbände

Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF)
Naturschutzbund Deutschland (NABU), LV Hessen
Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), LV Hessen
Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V. (HGON)
Greenpeace e.V.
WWF Deutschland (WWF)

Hier finden Sie die Broschüre zum Download

 

NABU Hessen setzt sich für mehr Wildnisgebiete ein

Die Homepage von „NABU Hessen“ wurde jüngst um die Seite „Hessen braucht mehr Naturwald“ erweitert. Diese Seite bietet nun Informationen rund um Wildnisgebiete, Wirtschaftswälder, Waldschutz und biologische Vielfalt in Hessen.

Darüber hinaus sind dort drei Fachartikel von Mark Harthun über die aktuelle Situation der natürlichen Waldentwicklung erhältlich, die 2017 in der Fachzeitschrift „Naturschutz und Landschaftsplanung“ erschienen.

Mehr unter: https://hessen.nabu.de/naturundlandschaft/waelder/waldpolitik/22902.html

 

Weitere Naturwälder in Hessen

Naturschutzverbände begrüßen weitere Naturwälder in Hessen.
Rechtliche Sicherung aber unzureichend – weitere Gebiete notwendig.

Naturwald in Hessen (c) NABU/delpho

Wetzlar / Frankfurt – Weitere Landeswälder werden nach einer neuen Entscheidung des hessischen Umweltministeriums aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen. Sie gelten nun als „Kernflächen“ und stehen fortan für Natur- und Artenschutz und der Bevölkerung für die Erholung zur Verfügung. Die nun erfolgte Erweiterung beträgt 5.800 Hektar, so dass die Holznutzung in Hessen nun auf drei Prozent der Waldfläche eingestellt wurde. Die Naturschutzorganisationen Naturschutzbund Deutschland (NABU), Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON), WWF Deutschland, Greenpeace und die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) begrüßen diese Erweiterung.

Als positiv sehen sie, dass sich auch einige größere Waldgebiete über 500 Hektar zu Naturwäldern entwickeln können. Allerdings fordern die Verbände von der Landesregierung, dass sie die Wälder bis zum Ende der Legislaturperiode (2019) noch als Naturschutzgebiete absichert. Die Landesregierung soll zudem in den nächsten Jahren noch weitere Waldschutzgebiete von rund 16.000 Hektar auswählen, damit sie das eigene Ziel erreicht, fünf Prozent der Waldfläche sich natürlich entwickeln zu lassen. In den Waldschutzgebieten könnten die Bäume ihr natürliches Alter von bis zu 400 Jahren erreichen. Im Wirtschaftswald würden hingegen die meisten Bäume schon „im jugendlichen Alter“ mit 120 bis 140 Jahren gefällt.

BUND, Greenpeace, NABU, WWF und die ZGF hatten dem Umweltministerium im Zuge des Auswahlprozesses konkrete Vorschläge für 14 große zusammenhängende Waldschutz- Gebiete vorgelegt. „Hier könnte sich in Zukunft ein ‚Urwald von morgen‘ entwickeln“, so Gerhard Eppler, Landesvorsitzender des NABU. Damit hätten die Menschen künftig die Chance, spektakuläre Wälder mit alten Baumriesen und seltenen Arten zu erleben. Einige der Vorschläge wurden nun vom Land aufgegriffen. „Besonders freuen wir uns über 1.000 Hektar im Hinterlandswald im schönen Wisper-Taunus“, so Manuel Schweiger, Wildnisreferent der ZGF. Ein weiteres großes Naturwaldgebiet wird im Kreis Hersfeld- Rotenburg der Landecker Berg (600 Hektar). Als vertane Chance sehen die Naturschützer, dass das Land an den Steilhängen nördlich des Edersees die Möglichkeit zur Bildung eines zusammenhängenden Waldwildnis-Gebietes nicht genutzt hat. Hier wachsen Wälder, die ohnehin kaum zu bewirtschaften waren und die als Wildniswälder eine tolle Ergänzung des Natur-Tourismus Angebots sein könnten. „Gerade wegen der Bewirtschaftungserschwernis konnten in den Steillagen mit hoher Sonneneinstrahlung seltene Arten überleben“, erläutert Gesche Jürgens von Greenpeace. Nach Ansicht der Verbände wäre hier ein 1250 Hektar großes Schutzgebiet möglich. Ab 1000 Hektar spricht man von „Wildnisgebiet“.

Als unzureichend bewerten die Umweltverbände vor allem, dass der Verzicht auf Holznutzung nur in der sogenannten Forsteinrichtung verankert werden soll. Diese wird alle 10 Jahre neu geschrieben. Spätestens dann stünden die Flächen wieder zur Disposition. „Das passt nicht zu einem Ewigkeitsprojekt. Urwälder von morgen für unsere Kinder und Enkel müssen dauerhaft als Naturschutzgebiet gesichert werden“, so Albert Wotke vom WWF. Als Naturschutzgebiet wären die Gebiete auch viel attraktiver für die Bevölkerung, die mit dem Begriff „Kernfläche“ nichts anfangen könne. Die Naturschutzverbände erwarten, dass alle Kerflächen auch einen naturschutzrechtlichen Schutz bekommen. „Mit den großen sollte begonnen werden: Alle Gebiete über 100 Hektar Größe sollten bis Ende des kommenden Jahres als Naturschutzgebiet gesichert sein“, fordert Jörg Nitsch, Vorstandssprecher des BUND.

Leider gebe es in manchen vom Landesbetrieb Hessen-Forst ausgewählten Wäldern auch kaum noch alte Bäume. Eine 200 Hektar große Fläche im Reinhardswald sei auf 70% nur noch 20-60jähriger Jungwald, so der NABU. Auch dies sei eine vertane Chance, weil es noch über 100 Jahre dauern werde, bis dieser Wald einen besonderen naturschutzfachlichen Wert entwickelt. „Die schönen Wälder werden gefällt, die abgeernteten geschützt“, so Eppler. Die hessische Biodiversitätsstrategie verfolgt das Ziel, eine natürliche Waldentwicklung in fünf Prozent des hessischen Waldes zu ermöglichen. Erreicht werden nun nur drei Prozent. „Ein Schritt in die richtige Richtung, aber weitere müssen folgen“, betont Rudolf Fippl, stellvertretender Vorsitzender der HGON. Da zur Erreichung des 5%-Ziels noch 16.000 Hektar Wald fehlen, hätte sich für die jetzt nicht berücksichtigen Verbändevorschläge ein vorübergehender Holzeinschlagsstopp (sogenanntes Moratorium) angeboten. Die Landesregierung hat diesen Vorschlag leider abgelehnt. Nun ist laut Fippl zu befürchten, dass die dortigen wertvollen Altholzbestände innerhalb kürzester Zeit verloren sind.

Ihre Ansprechpartner:

Manuel Schweiger, ZGF, Tel.: 069-943446-33, wildnis(ad)fzs.org
Mark Harthun, NABU Hessen, Tel.: 06441-67904-16, Mobil: 0170-3652404.