Naturschutz durch Wildnis
Über Jahrhunderte unterdrückte natürliche Prozesse wie Überschwemmungen und der Einfluss großer Pflanzenfresser sollen in Wildnisgebieten, wie die Nationale Biodiversitätsstrategie sie anstrebt, wieder landschaftsprägend sein. Aber Wildnis bringt neben einer eindrucksvollen Artenvielfalt wichtige Ökosystemleistungen für Klimaschutz, Naturerleben und regionale Wertschöpfung hervor. Neben den Flächenkulissen werden daher politische Entscheidungsebenen sowie rechtliche und planerische Instrumente für die Umsetzung beleuchtet.
Prof. Dr. Gert Rosenthal ist der Herausgeber. Er leitet seit 2008 das Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie an der Universität Kassel. Nach dem Studium der Biologie in Bremen und Göttingen und der Promotion an der Universität Bremen habilitierte er sich 2001 an der Universität Stuttgart. Die Schwerpunkte seiner Forschungen bilden Offenlandökosysteme, großflächige Weidesysteme und Wildnis.
Das Buch kann beim Ulmer-Verlag direkt bestellt werden.

Die deutschen Nationalparke entwickeln sich positiv. Das zeigen die Ergebnisse der zweiten bundesweiten Evaluierung, die im Bericht „Managementqualität deutscher Nationalparke“ veröffentlicht wurde.
Die Broschüre enthält die Positionen der Initiative Wildnis in Deutschland. Mit diesen geben die Experten*Expertinnen Handlungsempfehlungen und gute Gründe, warum Wildnis für die Natur und für den Menschen von so großer Bedeutung ist. Dazu zählt zum Beispiel, dass auch kommende Generationen biologische Vielfalt und faszinierende Naturwunder erleben und davon lernen können sollen. Insbesondere in Zeiten des Klimawandels sind Wildnisgebiete unersetzlich für seltene Tier- und Pflanzenarten, die sich den rasch ändernden Umweltverhältnissen anpassen müssen und auf Rückzugsräume angewiesen sind. Mit den gemeinsamen Positionen unterstreichen die Verbände und Stiftungen ihre Geschlossenheit und die gesellschaftliche Relevanz der Forderung nach mehr Wildnis in Deutschland.
Der Tagungsband
„Perspektive Wildnis“ vermittelt mit beeindruckenden Fotos ein Bild von der Schönheit und vom Reichtum der größten Wildnisgebiete Brandenburgs, alle hervorgegangen aus ehemaligen Truppenübungsplätzen. Es sind Gegenstücke zur Kulturlandschaft, die unser Verständnis von Natur seit mehr als 2000 Jahren geprägt hat. Diese Landschaften von heute werden schon in wenigen Jahrzehnten ein völlig anderes Aussehen haben. Wir können in ihnen das Werden und Vergehen von Lebensgemeinschaften und Arten als einen natürlichen Prozess begleiten.
Die Ergebnisse der aktuellen Naturbewusstseinsstudie zeigen: Rund vier Fünftel der Deutschen befürworten die Ausdehnung von Wildnisgebieten, um sehen zu können, wie sich die Natur an den Klimawandel anpasst. Damit wird deutlich: das Schutzkonzept Wildnis als Freilandlabor wird nicht nur akzeptiert, sondern sogar gewünscht. Weiterhin wünschen sich 61 Prozent der Erwachsenen mehr Wildnis in Deutschland. Nur 24 Prozent finden, dass der Bestand an Wildnisgebieten gut so ist, wie er ist und sogar nur zwei Prozent sprechen sich für weniger Wildnis in Deutschland aus. Damit wird deutlich, dass der Großteil der Bevölkerung in Deutschland die Wildnisziele der Bundesregierung mitträgt.
Bis zum Jahr 2020 sollte Deutschland auf zwei Prozent seiner Landfläche große Wildnisgebiete ausweisen. Aktuell sind es nur 0,62 Prozent, mit den in den nächsten Jahren konkret geplanten Gebieten werden es 0,73 Prozent sein. Das sind die zentralen Ergebnisse der ersten bundesweiten Bilanz zu großflächigen Wildnisgebieten. Die Studie zeigt aber auch auf, dass es genügend Potenziale gibt, um das Zwei-Prozent-Wildnisziel in den nächsten Jahren zu erreichen.
