Neue Studie: Mehr Wildnis für Deutschland

Auch das dicht besiedelte Deutschland braucht mehr Wildnis. Dafür setzen sich zahlreiche Akteure und Initiativen ein und auch aus der Bevölkerung gibt es großen Zuspruch (s. u.a. BMUB und BfN, 2014). Im Jahr 2007 hat sich die Bundesregierung ambitionierte Ziele für mehr Wildnis in Deutschland gesetzt. Um diese Ziele umzusetzen, ist das Engagement in unterschiedlichsten Bereichen gefragt: von der Politik über Wissenschaft und Administration bis hin zu Kommunikation. Doch was sind die Aktivitäten in diesen Bereichen? Wie wird Wildnis definiert und welche Kriterien gibt es dazu? Wo kann es in Deutschland überhaupt Wildnis geben und können die gesteckten Ziele erreicht werden? Genau darum geht es in der im Journal for Nature Conservation neu veröffentlichten Studie „More wilderness for Germany: Implementing an important objective of Germany’s National Strategy on Biological Diversity“ von Schumacher et al. (2018). Zudem wird über die Initiative „Wildnis in Deutschland“ berichtet sowie ein Ausblick auf noch anstehende Herausforderungen und Aufgaben gegeben. Der Weg ist lange und die Ziele sind hoch – aber erreichbar!

Lesen Sie den kompletten Artikel hier.

Mehr Hintergrundinformationen zum Thema Wildnis finden Sie auch in der Broschüre „Wir für Wildnis – Wegweiser zu mehr Wildnis in Deutschland“ und auf unserer Webseite.

Nationalparkstatus lockt Gäste an

Das Leipziger Büro Analyse & Transfer führte im Frühjahr und Sommer dieses Jahres mit 367 Besuchern des Nationalparks Sächsische Schweiz eine Umfrage durch. Ziel war es herauszufinden, wie hoch die Wertschätzung des Nationalparks ist, was kritisiert und was geschätzt wird. Nun sind die Ergebnisse da. Die meisten möchten während ihres Besuches Natur erleben, Aussichten genießen und einfach entspannen. Allein die Auszeichnung des Gebietes als Nationalpark ist für über die Hälfte der Besucher (53 Prozent) wichtig oder sogar entscheidend. Dabei werden auch die Vorschriften innerhalb des Nationalparks von fast allen Befragten (ca. 90 Prozent) befürwortet. Und auch der Wunsch nach mehr Wildnis ist präsent: über 85 Prozent möchten, dass eine natürliche Entwicklung des Waldes zugelassen wird.

Eine Zusammenfassung und den kompletten Bericht können Sie auf der Webseite des Nationalparks Sächsische Schweiz nachlesen

Weitere Informationen über das Wildnisgebiet Nationalpark Sächsische Schweiz

Eine Zeitschrift voller Wildnis

Was ist eigentlich Wildnis? Was macht Wildnis so besonders? Wo beginnt Wildnis? Und warum lohnt sich das Wagnis Wildnis?
Diese und noch mehr Fragen beantwortet die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift ‚alpinwelt‘ des Deutschen Alpenvereins München & Oberland. Leserinnen und Leser werden auf die Suche nach den letzten Wildnisgebieten Europas mitgenommen und können entdecken, wie sich Wildnis ihren Raum zurückerobert. Verlassene Truppenübungsplätze oder stillgelegte Militärflughäfen sind nur zwei der vielfältigen Beispiele für „neue Wildnis“. Es wird genau unter die Lupe genommen, warum Wildnis in unserer heutigen Gesellschaft so wichtig ist und was Wildnis ausmacht. Die Augen sollen geöffnet werden für Wildnis als Gegenentwurf zum Alltag.
Direkt als Einstieg sind zwei Seiten der Initiative „Wildnis in Deutschland“ gewidmet. Zusätzlich gibt es Ausflugstipps für all diejenigen, die selbst ihren Blick auf Wildnis stärken wollen.

Lesen Sie die komplette ‚alpinwelt‘ Zeitschrift hier

Wilde Wälder mit alten Bäumen sichern das Überleben vieler Insekten

Die Anzahl an Insekten geht dramatisch zurück, immer mehr Arten sind bedroht. Diese Erkenntnis macht mittlerweile nicht nur Naturschützern große Sorgen. Die Naturwald-Akademie interviewte dazu den Insektenforscher und Buchautor Beat Wermelinger. Fazit: Der Wald braucht Insekten, da sie viele wichtige Aufgaben im Ökosystem des Waldes übernehmen. Und umgekehrt brauchen Insekten den Wald. Reich strukturierte Wälder mit vielen ökologischen Nischen bieten zahlreichen Insektenarten eine Heimat. So stellen vielfältige, wilde Wälder mit vielen alten Bäumen einen notwendigen Lebensraum für viele Insekten dar.
Dr. Beat Wermelinger: „Ein bewirtschafteter Wald mit verschiedenen Baumarten, einer durchmischten Altersstruktur sowie Lichtungen und Wegrändern kann zwar mindestens so viele Insektenarten wie ein Naturwald beherbergen. Es sind aber nicht dieselben Arten. In einem Urwald mit seiner langen Geschichte und vielen alten Bäumen überleben nämlich auch all jene Arten, die einen konstanten Lebensraum brauchen. Wo zum Beispiel gibt es heute noch einen Buchenstamm mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter, der vor sich hinrotten darf, sodass sich zahllose Generationen von Pilzen und Insekten auf und in ihm entwickeln können? So etwas findet man in einem Wirtschaftswald nicht.“

Wozu es im Wald summt, krabbelt und brummt: Das komplette Interview mit Beat Wermelinger finden Sie auf der Homepage der Naturwald-Akademie

Mehr Informationen: Wildnis sichert biologische Vielfalt

Allgemeine Informationen zum Insektensterben:
Über 7.800 von bislang 33.000 in Deutschland beschriebenen Insektenarten stehen auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten. Um einen aktuellen Überblick zu Bestand und Verbreitung der Insektenarten zu bekommen, plant das Bundesamt für Naturschutz spätestens ab 2020 ein bundesweites Insektenmonitoring durchzuführen.

Neue Waldwildnis am Possen

Thüringen wird um ein Wildnisgebiet reicher: Auf 1.000 Hektar soll sich künftig der Possenwald bei Sondershausen wieder frei entwickeln dürfen. Weitere 500 Hektar Erholungswald sollen dort naturnah bewirtschaftet werden. Auf diesen Kompromiss konnte sich heute die Koalition in Thüringen nach langwährender Debatte einigen. Umweltministerin Anja Siegesmund hatte sich von Beginn an für den Naturwald stark gemacht. Unterstützt wurde sie dabei von der Bürgerinitiative „Pro Kyffhäuserwald“, den Landesverbänden von BUND und NABU, WWF Deutschland und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt.
Der Possenwald liegt 60 Kilometer nördlich von Erfurt und schafft nun einen wichtigen ökologischen Verbund vom Nationalpark Hainich bis hin zur Hohen Schrecke.

Mehr Informationen:
Pressemeldung des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz

Thüringens Umweltministerin wirbt für Wildnis rund um den Possen

Bis zu 2.500 Hektar Wald sollen sich naturnah entwickeln und Teil eines Thüringer Wildnisnetzes werden

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund hat sich deutlich für die Ausweisung eines Wildnisgebietes in den Wäldern rund um den Possen ausgesprochen. „Der Possen hat ein hervorragendes Potential für Waldwildnis. Hier findet sich ein großer geschlossener Buchenwald. Für Buchenwälder trägt Deutschland und vor allem Thüringen eine besondere Verantwortung“, sagte die Ministerin in Sondershausen auf einer Informationsveranstaltung zu den Waldwildnis-Plänen der Landesregierung.

„Wo die natürlichen Prozesse der Waldentwicklung ungestört ablaufen, entstehen neue Lebensräume für biologische Arten, die in Wirtschaftswäldern keine Perspektive haben“, so Siegesmund weiter. Nach Plänen des Thüringer Umweltministeriums sind ca. 2.500 Hektar der Possenwälder für naturnahe Entwicklung geeignet. Diese Wälder in der Mittleren Hainleite könnten zum größten Wildnisgebiet Thüringens nach dem Nationalpark Hainich werden. Gleichzeitig würden sie Bestandteil eines Wildnisnetzes, das sich über ganz Thüringen spannt: Vom Schwarza- und Vessertal im Süden über den Nationalpark Hainich bis zur Hohen Schrecke. Die Pläne zur Waldwildnis um den Possen erfahren bereits heute Unterstützung in der Region, eröffnen sie doch neue Perspektiven für den Naturtourismus und damit eine naturverträgliche wirtschaftliche Entwicklung.

Die an den Possenwald grenzenden Bebraer Teiche sind Lebensraum für die größte Erdkrötenpopulation Deutschlands mit ca. 25.000 Tieren. Die Wälder des Possens bilden zudem die ursprüngliche Heimat der sogenannten Mutterblutbuche, die Mutter aller weltweit existierenden Blutbuchen.

Auf dem Foto vlnr: Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer BUND Thüringen / Antje Hochwind, Landrätin Kyffhäuserkreis / Dirk Trute, Bürgerinitiative „ProKyffhäuserwald“ / Anja Siegesmund, Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) / Manuel Schweiger, Wildnisreferent, Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) / Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorstandsvorsitzender BUND

Hintergrund

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens 5 Prozent der Thüringer Wälder ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Bis zum Jahr 2020 sollen ca. 26.000 Hektar Waldfläche aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Bislang gibt es Vereinbarungen über ca. 19.000 Hektar Thüringer Waldwildnis. Die Ausweisung der Wälder um den Possen zum Wildnisgebiet könnte ein weiterer großer Schritt zur Erreichung dieses Ziels sein. Thüringen leistet damit auch seinen Beitrag zur Nationalen Biodiversitätsstrategie: Auf 2 Prozent der Landesfläche Deutschlands soll sich die Natur wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln.

Weiterführende Links:

Überzeugend: Gute Gründe für mehr Wildnis!

Klimaschutz

Viele Argumente sprechen für Wildnis: biologische Vielfalt, unersetzliches Naturkapital, Klima- und Hochwasserschutz, Tourismus und Erholung, Bildung und Forschung, Gerechtigkeit und Verantwortung für uns, unsere Kinder und Enkel.

Mehr Wildnis – mehr Zukunft!

Sachverständigenrat für Umweltfragen fordert mehr Raum für Wildnis‬ in ‪Deutschland‬

SRU-Umweltgutachten 2016 fordert "mehr Raum für Wildnis"

SRU-Umweltgutachten 2016 fordert „mehr Raum für Wildnis“

Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) fordert in seinem an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks übergebenen Umweltgutachten 2016 eine anspruchsvolle und integrative Umweltpolitik. Dazu zählen auch die Schaffung und der Erhalt von Wildnisgebieten, in denen sich Natur ohne menschliche Eingriffe entwickeln kann. Sie kommen aber im dicht besiedelten Deutschland kaum noch vor. Diese Gebiete sind wichtige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und tragen zum Klima- und Hochwasserschutz bei. Außerdem sind sie von höchster Bedeutung für die Forschung, gerade weil über die ungestörte Entwicklung von Ökosystemen kaum Kenntnisse bestehen. Daher fordert der SRU Bund und Länder auf, solche Flächen im ausreichenden Maße bereitzustellen.

Weitere Informationen:

Lesen Sie auch: Gute Gründe für mehr Wildnis in Deutschland

Studie: Attraktive Wildnis – Gäste kommen wegen Nationalpark in die Eifel

Die Projektbeteiligten von links nach rechts: Hemma Preisel (links) und Prof. Dipl.-Ing. Dr. Arne Arnberger (2.v.links) von der Universität für Bodenkultur, Wien, Parlamentarischer Staatssekretär des NRW-Umweltministeriums, Horst Becker, Felix Wölfle und Dr. Stefan Türk von der Deutschen Sporthochschule Köln, Michael Lammertz, verantwortlicher Fachgebietsleiter und Theresa Wimmer, Projektbetreuerin von der Nationalparkverwaltung Eifel. (c) F. Küpper

Der Nationalpark Eifel hat sich einer Untersuchung zufolge zu einer touristischen Attraktion entwickelt. Seit 2007 verdoppelte sich die Zahl der Besucher auf 870 000 im Jahr. Jeder zweite Tourist kommt wegen des Nationalparks in die Region. Ebenso bleiben die Übernachtungsgäste mit 4,6 Tagen spürbar länger als damals. Auch auf die Frage wie viel Umsatz und Arbeitsplätze die Nationalparktouristen heute nach 12 Jahren seines Bestehens erzielen, gibt die Studie Auskunft: Lag der Bruttoumsatz 2007 noch bei 8 Millionen Euro ist er jetzt auf 30 Millionen gestiegen. Daraus generieren sich fast 700 Arbeitsplätze. 2007 waren es 265.

„Die Auswertungen zeigen, dass der Nationalpark nicht nur für den Naturschutz von höchster Bedeutung ist, sondern auch für eine erfolgreiche Entwicklung der gesamten Nationalparkregion steht, belegbar durch handfeste Zahlen zu den regionalwirtschaftliche Aspekten“, freut sich der Parlamentarische Staatssekretär des NRW-Umweltministeriums, Horst Becker, über die Entwicklung des Großschutzgebietes und seine positive Auswirkungen auf die Nationalparkregion. Erfreulich ist auch, dass sich fast alle der befragten Einheimischen (90 %) als gut oder sogar sehr gut über den Nationalpark Eifel informiert fühlen. Dem wichtigsten Informationsmedium, der Internetseite für den Nationalpark, gaben die Touristen die Schulnote 1,7.

Weitere Informationen:

„Naturschutz-Offensive 2020“ des Bundesumweltministeriums: Wildnis – Freiheit für das Abenteuer Natur

NaturschutzoffensiveDie „Naturschutz-Offensive 2020 – für biologische Vielfalt“ des Bundesumweltministeriums umfasst 10 prioritäre Handlungsfelder. Wildnis ist eines davon. Hier ein Auszug:

Wildnis – Freiheit für das Abenteuer Natur

Gebiete, in denen Natur wirklich Natur sein darf, sind selten in Deutschland, viel zu selten. Gerade 0,6 Prozent der Fläche unseres Landes kann man aktuell als großflächige Wildnis- oder Wildnisentwicklungsgebiete bezeichnen. Nur dort können natürliche Prozesse ganz unbeeinflusst von menschlichen Eingriffen in langen Zeiträumen ablaufen, können Menschen erleben und erforschen, wie sich eine Natur ohne Nutzungen entwickelt und aussieht, ist Platz für große wildlebende Tierarten wie den Luchs. Ein reiches Land wie Deutschland sollte deutlich mehr tun, um diesen Schatz der Wildnis zu vermehren.

Weitere Informationen: