Unterwegs in der Wildnis: Die KlimaWildnisFläche Davert erleben
28. Mai 2026, von Claudia Weigel
Auf der neuen KlimaWildnisFläche Davert bei Münster lässt sich erleben, wie ein Wald zum natürlichen Klimaschutz in der Region beiträgt. Ein Erlebnisbericht.
31° Celsius sind es an diesem Tag Ende Mai. Die Luft flimmert vor Hitze. Die Sonne knallt mit hochsommerlicher Kraft ungehindert auf die Asphaltstraße. Nur wenige Autos fahren auf dem Rinkeroder Weg. Links und rechts der kleinen Landstraße finden sich Ackerflächen, kleine Gehöfte, ein Pflanzenhandel, eine Baumschule – und seit diesem Jahr nun auch die KlimaWildnisFläche Davert. Die Landstraße entlangradelnd sehe ich sofort: der dichte Laubwald inmitten im landwirtschaftlichen Flickenteppich muss eine der drei Teilflächen sein. Ich halte an und gehe in den Schatten des Waldes. Am eigenen Leib spüre ich sofort, der Klimaschützer Wald wirkt: Es ist angenehm kühler.
Die KlimaWildnisFläche Davert
Auf der Fläche befindet sich ein dicht bewachsener, undurchdringlich wirkender Laubwald. Der Waldboden ist mit hüfthohem Farn bewachsen und als hätte sich der Wald einen Schutzwall zugelegt, wachsen an den Rändern auch junge Europäische Stechpalmen, deren ledrige Blätter umsäumt sind von stacheligen Randzähnen. Der einzig sichtbare Weg ist mit einer knorrigen Holzschranke versehen und von hohem Gras überwuchert. Die Kronen der hohen Eichen- und Hainbuchen beschatten den Boden fast vollständig. Ein kühlender Windstoß fährt durch den Wald und mein überhitzter Körper ist dankbar für die Pause im Schatten. Um mich herum zwitschern angeregt die Vögel im „Mini-Urwald“.
KlimaWildnis im Naherholungsgebiet Davert
Die NRW-Stiftung hat diese Teilfläche zusammen mit zwei weiteren dank des Förderprogramms KlimaWildnis gekauft und kann diese nun als KlimaWildnisFläche dauerhaft für die Wildnisentwicklung sichern. Das heißt, die Natur darf sich hier ungesteuert vom Menschen entwickeln. Die zwei weiteren Teilstücke der insgesamt 95 Hektar liegen nur wenige hundert Meter weiter. Sie schließen aneinander an. Ganz in der Nähe gibt es einen Wanderparkplatz mit Informationstafel zum Waldjuwel Davert inklusive Karte mit Rad- und Wanderwegen. Die KlimaWildnisFläche Davert liegt im südlichen Teil des Naturschutzgebiets Davert, dass unter anderem der Bevölkerung der Stadt Münster als Naherholungsgebiet dient.
Die KlimaWildnisFläche Davert erleben
Rund 4 km lang ist der alte Forstweg, der es ermöglicht, das größte der drei Teilstücke einmal per Rad oder zu Fuß zu umrunden. Links und rechts des alten Weges befinden sich Wassergräben, umsäumt von saftigem hohem Gras, Ruprechtskraut, Brennnesseln und andere Wildkräutern. Hier darf das wachsen, was Nahrung für Bienen und andere Insekten bietet, in Gärten aber oft als Unkraut entfernt wird. Zitronengelbe Schmetterlinge tanzen über dem schattigen Weg. Geschützt vor der brütenden Sonne ist hier ein erholsamer Spaziergang trotz Hochsommertemperaturen möglich. Und entgegen größerer und bekannter Wildnisgebiete wie beispielsweise Nationalparken ist hier nichts los. Ich bin ganz allein in der Wildnis unterwegs.
Das Waldjuwel Davert als natürlicher Klimaschützer
Trotz der seit Tagen anhaltenden Hitzewelle, die die umliegenden landwirtschaftlichen Böden austrocknet und aufreißt, ist der Boden hier feucht und schlammig. Es ist offensichtlich, dass die KlimaWildnisFläche dem Wasserrückhalt in der Region dient – neben der Regulierung der Temperatur eine typische Leistung des Waldes im natürlichen Klimaschutz. Ein ebenso wichtiger Beitrag zum Klimaschutz ist seine Funktion als CO2-Senke und -Speicher. Die hier stehenden Bäume haben eine lange Habitatkontinuität, das heißt, sie sind unter anderem besonders alt. Im Laufe ihres Wachsens nehmen sie kontinuierlich Kohlenstoff aus der Luft auf und solange sie im Wald verbleiben – ob als Lebendbaum oder als sich über Jahrzehnte zersetzendes Totholz – speichern sie das aufgenommene CO2. Diese Speicherfunktion wirkt also jahrhundertelang. Neben den Bäumen enthält auch die weitere Vegetation und vor allem der Waldboden CO2. So trägt die KlimaWildnisFläche Davert auf verschiedene Weisen zum natürlichem Klimaschutz in der Region bei.
Was unterscheidet eine KlimaWildnisFläche von einem Naturschutzgebiet
Auf dem Weg zurück Richtung Münster sinniere ich über die Frage, warum es sinnvoll ist, die Fläche als KlimaWildnisFläche zu sichern. Die Fläche wurde zwar einem Privatwaldbesitzer abgekauft, aber lag zumindest teilweise bereits in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet. Eine Antwort auf diese Frage gibt mir die Umgebung gleich selbst. Obwohl ich Richtung Norden weiterhin durch die als Naturschutzgebiet ausgewiesene Davert fahre, liegen dicke Baumstämme am Wegrand und der Waldboden ist durchfurcht vom Harvester. Warum dieser Holzeinschlag hier erfolgte, weiß ich nicht. Klar ist jedoch, auch in Naturschutzgebieten dürfen aus verschiedenen Gründen Bäume gefällt werden: beispielsweise als Teil der Schutzstrategie oder aus traditionellen Gründen.
Ungesteuerte Entwicklung auf KlimaWildnisFlächen
Auf einer KlimaWildnisFläche ist das nicht mehr möglich. Hier darf sich die Natur weitestgehend ungesteuert vom Menschen entwickeln. Weitestgehend da beispielsweise die Verkehrsicherung auch auf KlimaWildnisFlächen sichergestellt wird. Abgesehen solcher Sicherheitsmaßnahmen dürfen die natürlichen Prozesse jedoch so ablaufen, wie es der Natur beliebt. Dadurch wird ermöglicht, dass Alt- und Totholzbestände fortbestehen – eine Voraussetzung für strukturreiche Lebensräume, die lebenswichtig für zahlreichen spezialisierte und gefährdete Arten sind. Dieser sogenannte Prozessschutz bedeutet weiterhin, dass wir hier beobachten können, wie sich die Natur eigenständig an die Folgen des Klimawandels anpassen wird.
KlimaWildnis – eine von vielen Maßnahmen des Naturschutzes
Somit ist die KlimaWildnisFläche Davert eine wertvolle Ergänzung in diesem bereits bestehenden Naturschutzgebiet. Auch auf weiteren Flächen der Region ist die NRW-Stiftung aktiv. So trägt sie beispielsweise die Verantwortung für acht Naturerbeflächen. Unmittelbar angrenzend an die KlimaWildnisFläche Davert wird zudem eine extensive Beweidung von Offenlandbereichen betrieben. Heckrinder und Konik-Pferden sorgen hier dafür, dass die Auenlandschaft gepflegt wird.
Vom Besuch der Davert bleibt mir die Erkenntnis: Die Region macht Naturschutz in seiner Vielfalt erlebbar und es wird begreifbar, was KlimaWildnis alles leistet: biologische Vielfalt, natürlicher Klimaschutz und ein Erholungsort für die Menschen der Region.
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