Der Einfluss von großen Beutegreifern in Ökosystemen ist nicht ersetzbar. Nur mit ihnen können natürliche Prozesse vollständig ablaufen.
In großen Wildnisgebieten sind Beutegreifer uneingeschränkt willkommen und ihre Funktion im Ökosystem ist einzigartig. Effekte, die sie auf ihre Beutetiere und kleinere Beutegreifer ausüben, können durch Jagd nicht von Menschen ersetzt werden: Große Beutegreifer erbeuten nicht nur Tiere und wirken so auf deren Bestände; ihre bloße Anwesenheit beeinflusst das räumliche und zeitliche Verhalten ihrer Beutetiere und kleinerer Beutegreifer. Rehe und Hirsche weichen gegebenenfalls auf Lebensräume aus, die ihnen die Flucht erleichtern. Entscheidend ist für sie vor allem das Risiko, Beutegreifern zum Opfer zu fallen, und sie orientieren sich nicht mehr vorrangig am Vorkommen von Nahrung. Rotwild schließt sich unter Umständen bei Anwesenheit von großen Räubern in Gruppen zusammen, um die Umgebung gemeinsam besser überwachen zu können, ohne die Nahrungsaufnahme zu vernachlässigen. Derartige Veränderungen im Verhalten der Beutetiere wirken sich unmittelbar auf die Vegetation und unter Umständen auch auf das gesamte Ökosystem aus.
Auch wenn Arten wie Wolf und Luchs nicht auf Wildnisgebiete angewiesen sind und sich auch gut in unserer Kulturlandschaft zurechtfinden, sind große Beutegreifer wichtige Botschafter für Wildnisgebiete, und ihr Einfluss auf naturnahe Landschaften ist bedeutend. Durch ihr Potenzial, Prozesse mit weitreichenden Auswirkungen im Nahrungsnetz zu beeinflussen, sind sie in Wildnisgebieten Schlüsselarten. Die natürliche Artenausstattung an Beutegreifern sollte deshalb zugelassen werden, um ein vollständiges Ablaufen der Prozesse zu ermöglichen.
[1] unter anderem die Berner Konvention, die Bonner Konvention und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie

