Wildnis-Wegweiser für Deutschland veröffentlicht

18 Naturschutzorganisationen geben gemeinsame Positionen heraus
Wildnisfonds soll finanzielle Anreize für neue Wildnisgebiete schaffen

03.07.2017. Die Initiative „Wildnis in Deutschland“, die von 18 Naturschutzorganisationen getragen wird, hat heute die Broschüre „Wir für Wildnis“ herausgegeben. Mit diesem „Wegweiser zu mehr Wildnis in Deutschland“ unterstreichen die Verbände und Stiftungen ihre Geschlossenheit mit elf gemeinsamen Positionen. „Dass die Naturschutzszene bei einem Thema einen solch breiten Schulterschluss vollzieht, ist ausgesprochen bemerkenswert. Das zeigt, auf welch breiter Basis die Positionen stehen und welch große gesellschaftliche Relevanz sie haben“, erklärt Manuel Schweiger, Wildnisreferent der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und Koordinator der Initiative. In der Broschüre geben die Experten Handlungsempfehlungen für mehr Wildnis und nennen gute Gründe, warum Wildnisgebiete in Deutschland für die Natur und für den Menschen von so großer Bedeutung sind. Deshalb fordern die Naturschutzorganisationen von der Bundesregierung einen Fonds, der Anreize schafft, neue Wildnisgebiete auszuweisen. Dieser „Wildnisfonds“ kann als Verbrauchsstiftung etabliert werden und soll zu Beginn mit mindestens 500 Millionen Euro ausgestattet sein. Unterstützung für die Idee eines solchen Finanzierungsinstrumentes kommt auch von den Umweltministern der Bundesländer, die sich im Mai auf der Umweltministerkonferenz in Bad Saarow geschlossen für die Einrichtung eines nationalen Wildnisfonds ausgesprochen haben.

Zu den „guten Gründen“ zählt zum Beispiel, dass auch kommende Generationen biologische Vielfalt und faszinierende Naturwunder erleben und davon lernen sollen. Insbesondere in Zeiten des Klimawandels sind Wildnisgebiete unersetzlich für seltene Tier- und Pflanzenarten, die sich den rasch ändernden Umweltverhältnissen anpassen müssen und dabei auf Rückzugsräume und Wanderkorridore angewiesen sind.

Mindestens zwei Prozent der deutschen Landesfläche sollen bis 2020 zu Wildnisgebieten werden – so fordert es die Initiative „Wildnis in Deutschland“ und so sieht es auch die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) der Bundesregierung vor. Bisher sind allerdings erst 0,6 Prozent erreicht. Manuel Schweiger weist für die Wildnisinitiative darauf hin, dass das bei weitem noch nicht genug ist: „Meint es die Bundesregierung ernst, das Wildnisziel erreichen zu wollen, müssen dringend Impulse für weitere Wildnisgebiete gesetzt werden.“

Mit einem Wildnisfonds soll für Privatpersonen, Kirchen und Kommunen ein Anreiz geschaffen werden, Flächen für Wildnisentwicklung zur Verfügung zu stellen. Die Flächenbesitzer könnten damit adäquat für ihren freiwilligen Dienst an der Umwelt einen Ausgleich erhalten.

Bisher hat der Bund selbst vor allem mit dem Nationalen Naturerbe einen wichtigen Beitrag zum Zwei-Prozent-Ziel geleistet. Auch die 16 Nationalparks sowie Wildnisgebiete von Naturschutzorganisationen tragen zu diesem Ziel bei. Dennoch mahnt Manuel Schweiger: „Deutschland gehört zu den reichsten Ländern der Erde, hat in Sachen Wildnis aber enormen Aufholbedarf. Der Wildnisfonds kann helfen, dieses Ungleichgewicht zurechtzurücken.“

Hintergrundinformation zur Initiative „Wildnis in Deutschland“

In der Initiative „Wildnis in Deutschland“ haben sich die 18 Umweltstiftungen und Verbände zusammengeschlossen und sie wird von zahlreichen Expertinnen und Experten sowie dem Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz unterstützt. Partner des Projektes wildnis-in-deutschland.de sind: BUND, BUNDstiftung, Deutsche Umwelthilfe, EuroNatur, EUROPARC Deutschland, Greenpeace e. V., Gregor Louisoder Umweltstiftung, GRÜNE LIGA, Heinz Sielmann Stiftung, NABU, NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, Naturstiftung David, Naturwald Akademie, Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, Michael Succow Stiftung, Vogelschutz-Komitee und WWF Deutschland. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) koordiniert die Aktivitäten.

Die Broschüre „Wir für Wildnis“ steht als PDF Download und als Web-Version zur Verfügung oder kann bei der Inititiative „Wildnis in Deutschland“ bestellt werden.

Kontakt

Initiative „Wildnis in Deutschland“

Isabell Ziesche
Zoologische Gesellschaft Frankfurt | Referat Europa
Bernhard-Grzimek-Allee 1, 60316 Frankfurt
Tel. +49 (0)69 943 446-26,
E-Mail: wildnis@fzs.org
www.wildnis-in-deutschland.de

Bildmaterial

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Copyright © ZGF/Daniel Rosengren http://wildnis-in-deutschland.de

Fotos zur „Wildnis in Deutschland“ schicken wir Ihnen gerne in druckfähiger Auflösung zu.
Eine Reihe von Pressefotos finden Sie auch hier: ZGF Pressebilder.

 


Absolute Mehrheit für Nationalpark Spessart

Aktuelle Umfrage zeigt 64 Prozent Zustimmung für einen Nationalpark in der Region Spessart / Umweltverbände: Landesregierung muss endlich eigenen Kabinettsbeschluss umsetzen

München, 14.03.17 – Eine deutliche Mehrheit von 64 Prozent der Bewohner in der Region Bayerischer Spessart und Unterfranken befürworten die Einrichtung eines Nationalparks. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Emnid-Umfrage, die der BUND Naturschutz in Bayern (BN), Greenpeace, der LBV (Landesbund für Vogelschutz) und der WWF Deutschland am Dienstag in München vorgestellt haben.

© Markus Mauthe / Greenpeace

Demnach sind 29 Prozent der Meinung, dass die Einrichtung eines Nationalparks in der Region „sehr gut“ wäre. 35 Prozent halten dies für „eher gut“. 29 Prozent halten einen Nationalpark für „eher schlecht“ (17 Prozent) oder „sehr schlecht“ (12 Prozent). Sechs Prozent der Befragten machten keine Angabe. Die Umfrage zeigt außerdem, dass eine umfassende und sachliche Informationspolitik eine noch breitere Zustimmung ergeben würde: So antworteten fast drei Viertel der Befragten, die dem Nationalpark ablehnend gegenüberstehen, dass sie eher zustimmen würden, wenn Zugang und Nutzung des Waldes für die Bevölkerung nicht eingeschränkt werden. Das Bayerische Umweltministerium hat hinsichtlich des Zugangs bereits klare Zugeständnisse gemacht. Spitzenvertreter der vier Umweltverbände appellierten daher an die Landesregierung, sich durch populistische Stimmungsmache seitens der Nationalpark-Gegner nicht beirren zu lassen. Der entsprechende Kabinettsbeschluss Pro-Nationalpark müsse nun endlich umgesetzt werden.

© Oliver Soulas / Greenpeace

Der Spessart gilt als größtes zusammenhängendes Mischlaubwaldgebiet Deutschlands. Nach Ansicht der Verbände hat zudem der Steigerwald
Nationalpark-Potential. Auch hier sprach sich bei einer Umfrage im November 2016 eine deutliche Mehrheit dafür aus.

„Wir freuen uns, dass es sowohl im Steigerwald wie nun auch im Spessart doppelt so viele Menschen gibt, die einen Nationalpark begrüßen, als diejenigen, die ihm noch kritisch gegenüberstehen. Bayern hat neben dem Steigerwald das landschaftliche Potential für mehrere Nationalparke: zu Recht sind Spessart, Ammergebirge, Rhön und die Donau- und Isarauen in der öffentlichen Diskussion!“, betont der BN-Vorsitzende Hubert Weiger.

„Die Mehrheit der Menschen im Spessart sehen die Chance für ihre Region und die Natur – sie geben dem Nationalpark grünes Licht. Dies sollte mehr als genug Ansporn für Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Regierung sein, der derzeitigen Desinformationskampagne eine Informationskampagne entgegenzusetzen“, sagt Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland.

© Michael Kunkel / Greenpeace

„Nationalparke sind die Kronjuwelen des Naturschutzes weltweit. Aber sie sind noch mehr: ihre Wildnis begeistert die Menschen und kann durch Tourismus erhebliche wirtschaftliche Vorteilen für eine Region mit sich bringen. So wurde in den bestehenden Nationalparken Bayerischer Wald und Berchtesgaden eine große Anzahl von Arbeitsplätzen geschaffen und eine Nettowertschöpfung von alljährlich vielen Millionen Euro erzielt. Der anfängliche Widerstand in diesen beiden Regionen ist durch die sehr positiven Erfahrungen weitgehend verschwunden. Wir sollten die Erfahrungen aus dem Nationalpark Bayerischer Wald und Berchtesgaden intensiv bei der Ausweisung eines dritten Nationalparks in Bayern nutzen“, so Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV.

„Die Landesregierung hat immer wieder bekräftigt, einen dritten Nationalpark in Bayern nicht gegen die Bevölkerung vor Ort einrichten zu wollen. Unsere Umfrage zeigt, der Nationalpark Spessart hat die Rückendeckung der Menschen in der Region. Der Freistaat muss demensprechend handeln und darf nicht vor einigen wenigen Krawallmachern einknicken“, bekräftigt Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz Deutschland beim WWF.

Hintergrundinformation zu der Kantar Emnid-Umfrage:

Vom 2. bis 7. März 2017 führte das Meinungsforschungsinstitut Kantar Emnid 1.000 Telefoninterviews in der Region bayerischer Spessart und Unterfranken durch. Befragt wurden Bewohner der Landkreise Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart, Würzburg sowie den kreisfreien Städten Aschaffenburg und Würzburg durch. Die Befragung wurde bevölkerungsproportional durchgeführt. Dementsprechend orientierte sich die Verteilung der Telefoninterviews an der Einwohnerverteilung auf die einzelnen Landkreise und Städte.

Die detaillierten Umfrageergebnisse finden Sie hier zum Download:

Aktuelle Umfrage zum Standort Spessart
Umfrage zum Standort Steigerwald

Bildmaterial:

Eine Auswahl an Fotos vom Spessart schicken wir gerne auf Anfrage unter +49 40 30618-376 oder -377 photo@greenpeace.de zur einmaligen redaktionellen Nutzung im Zusammenhang mit dieser Pressemitteilung / Pressekonferenz zu.

Pressekontakt:

Sandra Hieke, Waldexpertin Greenpeace e.V., Tel. 0160 90659754, sandra.hieke@greenpeace.org
Roland Gramling, Pressestelle WWF Deutschland, Tel. 030-311 777 425, roland.gramling@wwf.de
Richard Mergner, BN-Landesbeauftragter, Tel. 0911-8187 825, richard.mergner@bund-naturschutz.de
Markus Erlwein, Pressestelle LBV, Tel. 09174-4775-80, m-erlwein@lbv.de

Mehr als 2.500 Menschen fordern mehr Waldwildnisgebiete in Thüringen – Im Possenwald müssen jetzt 2.500 ha zügig „Urwald von morgen“ werden

Gemeinsame Presseinformation des BUND, NABU, ZGF und WWF

Berlin/ Erfurt/ Frankfurt/ Jena/ Sondershausen. Mehr als 2.500 Menschen haben in den vergangenen sechs Wochen eine Petition der Naturschutzorganisationen BUND, NABU, WWF und ZGF, sowie der Bürgerinitiative „ProKyffhäuserwald“ mitgezeichnet und ein deutliches Zeichen für mehr Waldwildnis gesetzt. Damit wurden mehr Stimmen erzielt als je zuvor auf der Petitionsplattform des Thüringer Landtages. Die Initiatoren fordern jetzt von der Landesregierung, insbesondere vom Thüringer Ministerpräsidenten, eine zügige Umsetzung, der im Koalitionsvertrag zugesagten Nutzungsfreistellung im Possenwald bei Sondershausen.

„Mehr als 2.500 Menschen aus ganz Deutschland haben mit Ihrer Unterschrift ein Zeichen für mehr Waldwildnis in Thüringen gesetzt und stärken der Region Sondershausen den Rücken“, so Ron Hoffmann, Vorsitzender des BUND Thüringen. „Jetzt ist der Thüringer Ministerpräsident gefordert, die Entscheidung zur Nutzungsfreistellung endlich formal zu besiegeln. Mit einer solch überzeugenden Forderung nach mehr Waldwildnis in Thüringen ist die Zeit des Abwägens längst vorüber.“

„Der Mehrheit der Bevölkerung gefällt Natur umso besser, je wilder sie ist“ fasst Manuel Schweiger, Wildnisreferent der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt das Ergebnis der Petition zusammen, das sich so mit der aktuellen Naturbewusstseinsstudie des Bundesumweltministeriums (BMUB) deckt.

Der vom WWF Deutschland geplante „Thüringer Urwaldpfad“ soll die Waldwildnisgebiete in Thüringen erlebbar machen. Er verbindet wichtige „Urwälder von morgen“ in bedeutenden Landschaften Thüringens miteinander. Das Waldwildnisgebiet im Possen soll ein wichtiger Bestandteil des Urwaldpfades werden“, erklärt Albert Wotke vom WWF.

„Doch auch die Natur selbst braucht mehr Waldwildnis“, so Martin Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des NABU Thüringen. „Langfristig können sich hier wieder natürliche und vor allem auch alte Waldstadien entwickeln, die die Lebensgrundlage für Arten wie den Waldkauz bilden. Der Vogel des Jahres 2017 leidet bisher unter akuter Wohnungsnot, da seine Höhlen in Altbäumen immer wieder der Kettensäge zum Opfer fallen. Damit soll jetzt Schluss sein.“

Die Initiatoren der Petition, die vier Naturschutzorganisationen BUND, NABU, WWF und ZGF, sowie die Bürgerinitiative „ProKyffhäuserwald“ fordern die Landesregierung auf, in Anlehnung an den Koalitionsvertrag 5% des Thüringer Waldes noch in dieser Legislaturperiode aus der Nutzung zu nehmen. Die große Unterstützung in der Bevölkerung verleiht der Forderung nach mehr Waldwildnis eine Dringlichkeit, derer sich die Landesregierung nun zügig stellen muss.

Ansprechpartner:

  • BUND Thüringen, Trommsdorffstrasse 5 | 99084 Erfurt | Dr. Burkhard Vogel, Tel. 0361/5550312
  • NABU Thüringen, Leutra 15 | 07751 Jena | Martin Schmidt, Tel. 0162/6248670
  • WWF Deutschland, Reinhardtstraße 18 | 10117 Berlin | Albert Wotke, Tel. 0151/1885454868
  • ZGF Frankfurt, Bernhard-Grzimek-Allee 1 | 60316 Frankfurt | Manuel Schweiger, 069/94344633

„Entdecke Wildnis!“ Neuer Film für mehr Wildnis in Deutschland

31.01.2017. Die Initiative „Wildnis in Deutschland“ stellt am heutigen Dienstag ihren Film „Entdecke Wildnis!“ vor mehr als 250 Gästen auf dem Nationalen Forum für Biologische Vielfalt des Bundesumweltministeriums in Berlin vor. Der Film nimmt das Publikum mit auf eine faszinierende Reise in große deutsche Wildnisgebiete und erbringt in dreieinhalb Minuten den Beweis, wie wild und schön Deutschland sein kann und wie wertvoll Wildnis ist. Ab sofort steht der Film auf wildnis-in-deutschland.de/film auch zum Download bereit. Die Initiative „Wildnis in Deutschland“ wird von 16 Naturschutzorganisationen, zahlreichen Expertinnen und Experten sowie dem Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz unterstützt.

„Schon vor einem halben Jahrhundert war der berühmte deutsche Tierprofessor Bernhard Grzimek überzeugt, dass wir große Wildnisgebiete erhalten müssen. Als wertvollen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Das gilt weltweit – aber auch für uns in Deutschland“, sagt Dr. Elsa Nickel, Abteilungsleiterin für Naturschutz im Bundesumweltministerium anlässlich der Filmpremiere. „Deshalb wollen wir zwei Prozent der Landesfläche als Wildnisgebiete schützen. Sehr viele Menschen befürworten wilde Natur. Doch das Wilde ist oft auch unbekannt. Wir müssen uns ihm erst wieder annähern. Ich freue mich, dass der neue Film „Entdecke Wildnis!“ genau dazu einlädt“, so Elsa Nickel.

„Wer an Wildnis denkt, der denkt oft an grandiose Landschaften ohne Straßen und Stromleitungen, an undurchdringliche Wälder und Abenteuer. Das gibt es auch bei uns in Deutschland! Und ‚Entdecke Wildnis!’ liefert den Beweis“, so Manuel Schweiger, Wildnisreferent der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt und Koordinator der Initiative „Wildnis in Deutschland“. Natürlich könne man auch die Wildnis unterstützen, so Schweiger. „Ein erster Schritt: Teilt den Film in euren Netzwerken.“

„Wildnis ist vielleicht der bedrohteste Naturschatz in unserem Land. Ursprüngliche Naturlandschaften gibt es in Deutschland kaum, sie sind aber als Lebensräume für viele Arten außerordentlich wichtig. Es braucht daher Aufklärung und Verständnis für den unschätzbaren Wert von Wildnisgebieten, um diese dauerhaft schützen zu können“, so Torsten Ehrke, Vorsitzender der GRÜNEN LIGA, die als ein Partner die Initiative „Wildnis in Deutschland“ unterstützt.

Informationen zum Filminhalt „Entdecke Wildnis“:

„Was bedeutet Wildnis eigentlich für dich?“

Vier Akteure erzählen, warum Wildnis so wichtig ist.

Drei deutsche Wildnisgebiete – Berchtesgaden in Bayern, Lieberose in Brandenburg und die Vorpommersche Boddenlandschaft im Mecklenburg-Vorpommern – machen im Film „Entdecke Wildnis!“ neugierig auf das Thema. Vier Protagonisten zeigen uns darin die Wildnisgebiete vor ihrer Haustür und erzählen sehr persönlich, warum Wildnis wichtig ist. „Wildnis ist einfach nur faszinierend!“, schwärmt im Film die Geografin Jenny Eisenschmidt von der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg. Die Liegenschaftsbeauftragte ist von den natürlichen Prozessen in der Natur begeistert. Denn in ihrem Revier wächst wieder ein Urwald mitten in Europa. Raffiniert versteckt sich die neue Waldwildnis zwischen Berlin und Cottbus auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lieberose. „Wo vor Jahren noch Panzer rollten, werden unsere Kinder und Urenkel die Urwälder von morgen beobachten können“, so Jenny Eisenschmidt.

Ganz im Nordosten von Deutschland zeigt Wildnisführerin Annett Storm Touristen die schönsten Plätze der Küstenwildnis. Seit über 25 Jahren ist sie als Geschäftsführerin des Fördervereins Nationalpark Boddenlandschaft e. V. tätig. „Ich zeige den Besuchern, wie alles zusammenhängt. Viele Menschen sehen die Natur danach mit ganz anderen Augen und sagen: Das habe ich alles gar nicht gewusst! Sie gehen dann anders durch den Wald, betrachten anders eine Düne. Sie sind achtsamer, entdecken viel mehr“, sagt Annett Storm. Und sie ist überzeugt: „Wildnis ist Vergangenheit und Zukunft.“

„Die Wildnis ist eine Schatzkammer. Wildnis ist sehr wertvoll“, erklärt uns Dr. Michael Vogel. Er leitet den Nationalpark Berchtesgaden in den Alpen. Man habe einmal versucht, den wirtschaftlichen Wert des Nationalparks in Zahlen zu fassen und verschiedene Parameter herangezogen, darunter C02-Speicherung und Wasserrückhalt. Je nach Marktpreis sei man auf 800 Millionen bis zu 3 Milliarden Euro pro Jahr gekommen. Der passionierte Pflanzenkenner und Ranger Fritz Eder fühlt sich im Nationalpark Berchtesgaden zuhause. „Ich habe hier mein ganzes Leben verbracht. Habe mich hier als Kind schon immer aufgehalten. Wildnis ist für mich einfach ein Stück Heimat.“

Hintergrundinformation zur Initiative „Wildnis in Deutschland“

In der Initiative „Wildnis in Deutschland“ haben sich 16 Umweltstiftungen und Verbände zusammengeschlossen. Partner des Projektes wildnis-in-deutschland.de sind: BUND, Deutsche Umwelthilfe, EuroNatur, EUROPARC Deutschland, Greenpeace e. V., Gregor Louisoder Umweltstiftung, GRÜNE LIGA, Heinz Sielmann Stiftung, NABU, NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, Naturstiftung DAVID, Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, Michael Succow Stiftung, Vogelschutz-Komitee und WWF Deutschland. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) koordiniert die Aktivitäten. Durch Vernetzung, Beratung und Kommunikation unterstützt die Initiative die deutschen Wildnisziele: Bis zum Jahr 2020 sollen 2 % der Landesfläche Deutschlands als Wildnisgebiete geschützt sein. Aktuell sind es etwa 0,6 %.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fördert das Projekt „Wildniskommunikation“ bei der ZGF mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Der gemeinsame Film „Entdecke Wildnis!“ steht ab sofort auf der Webseite www.wildnis-in-deutschland.de allen Wildnisakteuren für ihre Öffentlichkeitsarbeit, für Webseiten, Vorträge und Ausstellungen, zur Verfügung. Weitere Filme zu einzelnen Wildnisgebieten sind in Planung.

Bildmaterial zu „Entdecke Wildnis“ finden Sie hier: Bildmaterial zum Film „Entdecke Wildnis“

 

Kontakt: Projektbüro „Wildnis in Deutschland“
Isabell Ziesche (Wildniskommunikation), Manuel Schweiger (Wildnisreferent)
Zoologische Gesellschaft Frankfurt | Abteilung Europa
Bernhard-Grzimek-Allee 1, 60316 Frankfurt
Tel. +49 (0)69 943 446-26, E-Mail: wildnis@fzs.org
www.wildnis-in-deutschland.de

 

Wildnis in Thüringen: Hohe Schrecke wirbt mit Urwaldflair in Berlin

Mit Urwaldflair präsentiert sich das Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke auf der diesjährigen Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin. „Wir müssen Thüringens Naturschätze noch viel stärker in den Fokus rücken“, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund anlässlich ihres Besuchs Berlin. „Die Hohe Schrecke ist ein einmaliger Urwald, in dem Fledermäuse und viele andere Tiere seit Jahrhunderten heimisch sind. Also ein idealer Ort für Naturtourismus und naturnahe Regionalentwicklung“, so die Ministerin.

Umweltministerin Anja Siegesmund und Adrian Johst, Geschäftsführer der Naturstiftung David, präsentieren die „Hohe Schrecke“ auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin (c) Naturstiftung David.

Wildnis-Wald: Wertvoll für Mensch und Natur

Im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes kann der Natur-Wert des alten Waldes erhalten und zugleich für den sanften Tourismus erlebbar gemacht werden. Neben der Natur profitieren auch die Menschen vor Ort von dem Projekt. In der Hohen Schrecke sollen künftig 25 Prozent der Waldfläche als Wildnisflächen ohne Zutun des Menschen wachsen. Der übrige Wald wird naturverträglich genutzt. Ebenso ist vorgesehen, die um den Wald liegenden Steppenrasen und Streuobstwiesen zu erhalten und den naturnahen Tourismus durch die Anlage eines neuen Rad- und Wanderwegnetzes und die Anbindung an Wanderparkplätze sowie den öffentlichen Naheverkehr zu aktivieren. Außerdem sind regionale Vermarktungsinitiativen, z.B. für Obst, Wildbret und Holz sowie die Einrichtung einer 100-Prozent-Erneuerbare-Energien-Region im Einklang mit dem Naturschutz vorgesehen.

Investitionen in Umwelt und Regionalentwicklung

Bundesumweltministerium und Thüringisches Umweltministerium fördern das Naturschutzgroßprojekt mit 12 Mio. Euro, die Landwirtschaftsministerien von Bund und Thüringen unterstützen das Projekt mit 1,25 Mio. Euro. Der Freistaat Thüringen trägt in beiden Fällen 15 Prozent der Investitionen. Im Rahmen der Förderung des naturnahen Tourismus wurden 2016 wesentliche Teile des Wanderwegenetzes hergerichtet. Ab dem Frühjahr 2017 wird das neue Wegenetz nahezu vollständig zur Verfügung stehen. Vor diesem Hintergrund wurde 2016 begonnen, intensiv für einen Besuch der Hohen Schrecke zu werben – u.a. durch die Ausstellung Hohe Schrecke im Erfurter Hauptbahnhof und die Präsentation der Region auf der Internationalen Grünen Woche 2017 in Berlin.

Hintergrund: Hohe Schrecke „Alter Wald neu entdeckt“

In der Hohen Schrecke wächst ein Wald, wie er ohne das Wirken des Menschen in weiten Teilen unserer Breiten vorkäme. Das rund 7.300 Hektar große, unzerschnittene Waldgebiet liegt in Nordthüringen an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes werden langfristig zwei großflächige Wildnisgebiete mit insgesamt rund 2.000 Hektar etabliert.

Die Hohe Schrecke ist ein national bedeutsames Waldgebiet mit einer in Deutschland einmalig hohen Fledermausdichte (alle in Thüringen vorkommenden Waldfledermausarten kommen in der Hohen Schrecke vor – und das in sehr hohen Populationsdichten). Auch eine Vielzahl von sehr seltenen Käfern konnten in der Hohen Schrecke nachgewiesen werden – allein 15 sogenannte „Urwaldrelikarten“ – ein Spitzenwert für Thüringen. „Urwaldreliktarten“ zeigen vor allem an, dass es hier über Jahrhunderte immer eine Waldtradition gegeben hat – hier also immer Bäume gestanden haben. Trotz ihrer nationalen Bedeutung ist die Hohe Schrecke bundesweit und auch in Thüringen bisher nahezu unbekannt.

Wildnis und Poetry Slam – Lars Ruppel begleitet wilde Poetinnen und Poeten

Thüringens Umweltministerin wirbt für Wildnis rund um den Possen

Bis zu 2.500 Hektar Wald sollen sich naturnah entwickeln und Teil eines Thüringer Wildnisnetzes werden

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund hat sich deutlich für die Ausweisung eines Wildnisgebietes in den Wäldern rund um den Possen ausgesprochen. „Der Possen hat ein hervorragendes Potential für Waldwildnis. Hier findet sich ein großer geschlossener Buchenwald. Für Buchenwälder trägt Deutschland und vor allem Thüringen eine besondere Verantwortung“, sagte die Ministerin in Sondershausen auf einer Informationsveranstaltung zu den Waldwildnis-Plänen der Landesregierung.

„Wo die natürlichen Prozesse der Waldentwicklung ungestört ablaufen, entstehen neue Lebensräume für biologische Arten, die in Wirtschaftswäldern keine Perspektive haben“, so Siegesmund weiter. Nach Plänen des Thüringer Umweltministeriums sind ca. 2.500 Hektar der Possenwälder für naturnahe Entwicklung geeignet. Diese Wälder in der Mittleren Hainleite könnten zum größten Wildnisgebiet Thüringens nach dem Nationalpark Hainich werden. Gleichzeitig würden sie Bestandteil eines Wildnisnetzes, das sich über ganz Thüringen spannt: Vom Schwarza- und Vessertal im Süden über den Nationalpark Hainich bis zur Hohen Schrecke. Die Pläne zur Waldwildnis um den Possen erfahren bereits heute Unterstützung in der Region, eröffnen sie doch neue Perspektiven für den Naturtourismus und damit eine naturverträgliche wirtschaftliche Entwicklung.

Die an den Possenwald grenzenden Bebraer Teiche sind Lebensraum für die größte Erdkrötenpopulation Deutschlands mit ca. 25.000 Tieren. Die Wälder des Possens bilden zudem die ursprüngliche Heimat der sogenannten Mutterblutbuche, die Mutter aller weltweit existierenden Blutbuchen.

Auf dem Foto vlnr: Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer BUND Thüringen / Antje Hochwind, Landrätin Kyffhäuserkreis / Dirk Trute, Bürgerinitiative „ProKyffhäuserwald“ / Anja Siegesmund, Thüringer Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz (TMUEN) / Manuel Schweiger, Wildnisreferent, Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) / Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorstandsvorsitzender BUND

Hintergrund

Die Landesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, mindestens 5 Prozent der Thüringer Wälder ihrer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Bis zum Jahr 2020 sollen ca. 26.000 Hektar Waldfläche aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Bislang gibt es Vereinbarungen über ca. 19.000 Hektar Thüringer Waldwildnis. Die Ausweisung der Wälder um den Possen zum Wildnisgebiet könnte ein weiterer großer Schritt zur Erreichung dieses Ziels sein. Thüringen leistet damit auch seinen Beitrag zur Nationalen Biodiversitätsstrategie: Auf 2 Prozent der Landesfläche Deutschlands soll sich die Natur wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln.

Weiterführende Links:

Weitere Naturwälder in Hessen

Naturschutzverbände begrüßen weitere Naturwälder in Hessen. Rechtliche Sicherung aber unzureichend – weitere Gebiete notwendig.

Wildnis in Deutschland – alles Wichtige auf einen Blick

www.wildnis-in-deutschland.de ist die neue Webseite mit allem, was man zu Wildnis in unserem Land wissen muss. Das Portal wendet sich an diejenigen, die das Thema „Wildnis“ in Deutschland voranbringen wollen und gibt ihnen Argumente, Hintergründe und Material an die Hand.

Je wilder, desto lieber! So mögen zwei von drei Deutschen die Natur. Zahlreiche Naturschutzorganisationen stehen hinter dem Ziel, der Wildnis in Deutschland mehr Rückenwind zu verschaffen. Daher ist wildnis-in-deutschland.de eine von 16 Organisationen gemeinsam getragene Plattform. „Wir möchten einen sachlichen Beitrag zur Debatte in Deutschland leisten und im Naturschutz mit einer Sprache sprechen“, erläutert Dr. Christof Schenck, Geschäftsführer der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF), den Zweck der neuen Webseite. „Viele Argumente sprechen für Wildnis: biologische Vielfalt, Klima- und Hochwasserschutz, Tourismus und Erholung, unersetzliches Naturkapital, Bildung und Forschung, Gerechtigkeit und Verantwortung für uns und kommende Generationen – sind nur einige davon.“

wildnis-in-deutschland.de bündelt Informationen rund um das Thema „Wildnis in Deutschland“ erstmals an einer Stelle. Die Überlegung hinter der neuen Webseite ist es, Organisationen, Institutionen, aber auch Journalisten ein qualitativ hochwertiges Portal zu bieten, aus dem sie sich bedienen können – mit fundierten Texten, hochwertigen Bildern, einer Zitatesammlung und gutem Hintergrundmaterial. Das Portal wird Schritt für Schritt weiter ausgebaut.

Mit wildnis-in-deutschland.de wollen wir Menschen, die sich für Wildnis einsetzen, nicht nur Informationen und Arbeitsmaterialien an die Hand geben, sondern ihnen zudem den direkten Kontakt zu Wildnisexperten ermöglichen. Des Weiteren stellt das Portal große Wildnisgebiete vor und zeigt, dass Wildnisentwicklung auch in Deutschland möglich ist.

Partner des Projektes wildnis-in-deutschland.de sind: BUND, Deutsche Umwelthilfe, EuroNatur, EUROPARC Deutschland, Greenpeace e. V., Gregor Louisoder Umweltstiftung, GRÜNE LIGA, Heinz Sielmann Stiftung, NABU, NABU-Stiftung Nationales Naturerbe, Naturstiftung DAVID, Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, Michael Succow Stiftung, Vogelschutz-Komitee und WWF Deutschland. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) koordiniert die Aktivitäten. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) fördert das Projekt mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit.

Kontakt:  Projektbüro „Wildnis in Deutschland“
Isabell Ziesche (Wildniskommunikation)
Manuel Schweiger (Wildnisreferent)
Zoologische Gesellschaft Frankfurt | Abteilung Europa
Bernhard-Grzimek-Allee 1, 60316 Frankfurt
Tel. +49 (0)69 943 446-26, E-Mail: wildnis@fzs.org
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Unsere Wildnis-Experten sind Ihre Ansprechpartner
Weitere Zitate der Wildnis-Experten finden Sie im Internetportal unter der Rubrik „Wir für Wildnis“. Für Pressevertreter bieten wir gerne Hintergrundgespräche an.

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