Initiative Wildnis in Deutschland sieht Potenzial in mehr Wildnis in Nord- und Ostsee
Neue Position zu mariner Wildnis
Zwei Prozent der Landfläche Deutschlands sollen als großräumige Wildnis gesichert werden. Auch die Meeresflächen von Nord- und Ostsee verfügen über große Potenziale für eine dauerhaft ungesteuerte Entwicklung. Die enormen Belastungen beider Meere durch menschliche Eingriffe und Nutzungen lassen die Einrichtung großflächiger mariner Wildnisgebiete drängender denn je erscheinen.
Deutschland verfügt inklusive der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) über eine Meeresfläche von etwa 57.000 km² (5,7 Mio. Hektar). Davon entfallen 41.000 km² auf die Nordsee und 16.000 km² auf die Ostsee. Obwohl formal ca. 45 Prozent der deutschen Meeresfläche (knapp. 2,6 Mio. Hektar) einen Schutzstatus aufweist, geht es Nord- und Ostsee schlecht.
Nord- und Ostsee leiden
Fischerei, Rohstoffabbau, Schifffahrt, Inanspruchnahme für Energie- und Leitungsinfrastruktur, militärische und andere Altlasten, erhöhte Lärm-, Nähr- und Schadstoffeinträge sowie Freizeitnutzung und Tourismus haben beide Meere flächendeckend an ihre absolute Belastungsgrenze gebracht. Auch die Schutzgebiete – Nationalparks, Naturschutzgebiete, Natura 2000 bis hin zum UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer – sind nicht frei von derartigen naturschädigenden Nutzungen. Zudem bringen Meeresspiegelanstieg, Meeresversauerung, Sauerstoffmangel und zunehmende Erwärmung der Wasserkörper infolge der anthropogen bedingten Erderhitzung zusätzlichen Stress in die marinen Ökosysteme.
Wildnis kann die Meeresökosysteme stärken
Marine Wildnisgebiete sind Refugien für die biologische Vielfalt der Meere. In ungestörtem Meeresboden entwickeln sich vielfältige Kleinorganismen (Mikrobenthos) und bilden die Grundlage eines umfassenden Nahrungsnetzes. Von diesem profitiert eine Fülle von Fischen und Meeresvögeln bis hin zu ikonischen Meeressäugern wie Schweinswal, Seehund und Kegelrobbe. Meereslebensräume können sich in Wildnisgebieten mit ihren Arten und Ökosystem-Funktionen ungestört entfalten. Zum Beispiel bilden sie Rückzugsräume und Kinderstube für zahllose Arten von Meeresbewohnern, binden teilweise große Mengen an Kohlenstoff und sind auch für die Anpassung der marinen Ökosysteme an die Folgen der Erderhitzung von entscheidender Bedeutung. Nur hier können solche Anpassungsprozesse ohne Überprägung durch menschliche Eingriffe und Nutzungen ablaufen.
Sie möchten mehr erfahren, welche Vorteile marine Wildnis in Nord- und Ostsee hätte und wie diese umgesetzt werden könnte? Im Wegweiser zu mehr Wildnis können Sie die vollständige Position „Wildnis in Nord- und Ostsee“ lesen.
Hintergrund zur Initiative Wildnis in Deutschland
Die Initiative Wildnis in Deutschland ist ein breites Bündnis aus 22 Naturschutzverbänden und -stiftungen. Die Mitgliedsorganisationen unterstützen die Entwicklung und Sicherung von großen Wildnisgebieten, schaffen zum Teil Wildnis auf ihren eigenen Flächen, beraten Entscheidungstragende und fördern den öffentlichen Austausch rund um das Thema Wildnis. Gemeinsam setzen wir uns für mehr faszinierende große Wildnisgebiete ein – für uns, unsere Kinder und Enkel.


© Dr. Tilo Geisel
© Daniel Rosengren