• Wildkatze in der Wildnis in Brandenburg

Wildnisart: Wildkatze

Erster Wildkatzennachwuchs im Wildnisgebiet Jüterbog

Einst in Brandenburg ausgestorben hat die Wildkatze zurückgefunden: Erstmals wurde Wildkatzennachwuchs für das Wildnisgebiet Jüterbog genetisch bestätigt. In ganz Deutschland gibt es nur rund 6.000 Tiere und die Wildkatze gilt laut Roter Liste als gefährdet. Erfahren Sie mehr über Wildkatzen in Deutschland am Beispiel des neuen Jungtieres in Jüterbog.

Wildkatzen im Wildnisgebiet Jüterbog

Erstmals 2023 wurden im Wildnisgebiet Jüterbog nachgewiesen, dass die Wildkatze nach Brandenburg zurückgekehrt ist. Anfang 2026 konnte mittels Baldrian-Lockstäben und genetischer Analyse von Fellproben sogar die erste kleine Wildkatzenfamilie zweifelsfrei bestätigt werden. Erstmals gesichtet wurde die Jungkatze 2025 auf der Wildtierkamera.

© Die Wildnisstiftung

Monitoring von Wildkatzen mittels Baldrian-Lockstab

Monitoring und die Auswertung von genetischen Spuren erlauben Hinweise auf die Entwicklung der Europäischen Wildkatze in ganz Deutschland. Der Bestand wird laut Deutscher Wildtier Stiftung derzeit auf circa 6.000 Tiere geschätzt. Mit Hilfe des Lockstoffs Baldrian werden Wildkatzen angelockt. An den angerauten und mit Baldrian besprühten Lockstöcken reiben sich die Katzen und hinterlassen Fell. Diese Proben werden genetisch untersucht und liefern wertvolle Erkenntnisse über die Population. Bereits bei den ersten Nachweisen 2023 im Wildnisgebiet Jüterbog konnten drei verschiedene weibliche Wildkatzen identifiziert werden, Videoaufnahmen deuteten zusätzlich auf einen Kater hin. Und nun gibt es nachweislich ein Jungtier.

So wachsen junge Wildkatzen auf

Wildkatzenjunge sind in den ersten Tagen nach der Geburt besonders schutzbedürftig. Als echte Nesthocker kommen sie nackt, blind und taub zur Welt. Erst nach rund zehn Tagen öffnen sie die Augen und beginnen, ihre Umgebung vorsichtig zu erkunden. Ein Wurf umfasst in der Regel zwei bis vier Junge, die Mutter bringt meist einmal im Jahr Nachwuchs zur Welt. Da die Sterblichkeit hoch ist – weniger als die Hälfte der Jungtiere überlebt die ersten Lebensmonate – sind ungestörte Rückzugsorte für die Art überlebenswichtig.

Der Lebensraum der Wildkatze

Naturnahe Wälder und Halboffenlandschaften sind die bevorzugten Lebensräume der Europäischen Wildkatze. Je struktureicher der Wald, mit hellen Lichtungen, Büschen und Hecken an den Rändern, desto wohler fühlt sich die Wildkatze, die gerne im verborgenen nach Mäusen, ihrer Hauptnahrungsquelle, jagt. Rund zehn Mäuse braucht eine Wildkatze durchschnittlich am Tag.

Aktuell finden sich Wildkatzen vor allen in den waldreichen Mittelgebirgen wie Eifel, Hunsrück, Pfälzer Wald, Taunus, Harz, Solling, Kyffhäuser und in den übrigen Waldgebieten Nordthüringens und im Hainich.

Doch auch das Wildnisgebiet Jüterbog bietet mit seinen naturnahen Wäldern, Lichtungen, Totholz und Baumhöhlen ein idealer Lebensraum für die Wildkatze und die Aufzucht von Katzenjungen. Auch die große Fläche des Wildnisgebiets entspricht den Bedürfnissen der Wildkatze: Die Streifgebiete weiblicher Katzen umfassen 300–800 Hektar, männliche Wildkatzen bewegen sich über das Dreifache dieser Fläche.

Die Wildkatze als Wildnis-Botschafterin

Die Wildkatze gilt als Sympathieträgerin und Botschafterin für die Wildnis: Ihr Vorkommen macht die Bedeutung naturnaher Wälder und natürlicher Waldränder sichtbar und zeigt, wie wertvoll von Menschen ungesteuerte Wildnisgebiete sind. Dort, wo die Wildkatze sich wohlfühlt, leben auch andere gefährdete Arten gerne, wie Bechsteinfledermaus, Feuersalamander, Mittelspecht, Hirschkäfer, Haselmaus oder Laubfrosch.