Unterwegs in der Wildnis: Familienwanderweg in der Hohen Schrecke
1. Juli 2026 / von Claudia Weigel
Idyllisch ist das beste Wort, um den ersten Eindruck am Startpunkt des Familienwanderwegs Rabenswald zusammenzufassen. Schäfchenwolken im strahlend blauen Himmel, Fachwerkhäuser des Dorfes Garnbach kuscheln sich an den Hang des Höhenzugs Hohe Schrecke, Gräser wiegen sich im Wind, dass satte grün der Laubbäume komplettiert das Bild an diesem heißen Sommertag.
Den Wald entdecken an verschiedenen Stationen
Ein handgemachter Parkautomat aus Holz lädt dazu ein, eine Spende für den Verein Garnbacher Rabenswald e.V. da zu lassen, der den Wanderweg angelegt hat und diesen pflegt. Gut beschildert und markiert mit einem kleinen schwarzen Raben auf weißem Grund geht es auf einem Rundweg sechs Kilometer durch das Wildnisgebiet Hohe Schrecke. Unterwegs gibt es im Abstand weniger Minuten immer wieder Stationen, an denen kleine und große Kinder das Wildnisgebiet erkunden können. Und auch an die Eltern wurde gedacht: Bänke, Sitz- und Liegestühle aus Holz laden dazu ein, sich niederzulassen, den Blick nach oben zu richten, und den hohen Baumkronen dabei zuzusehen, wie sie sich im Wind hin- und herwiegen, während die Sonnenstrahlen auf den Blättern tanzen.
Die Hohe Schrecke knarzt
Während ich dort so verharre, denke ich über den Wald nach. Aufgewachsen in der Mitte Deutschlands ist Wald für mich etwas Normales, ja Gewöhnliches. Doch je mehr Wälder ich bewusst besuche, desto klarer wird mir: ein jeder Wald ist besonders. Gerade wenn es sich um solch einen Buchenwald handelt, der über Jahrhunderte nur naturnah bewirtschaftet und in den letzten Jahrzehnten teils gar nicht genutzt wurde. Müsste ich zudem das Besondere der Hohen Schrecke am heutigen Tag auf dem Punkt bringen, dann wäre es das: die Hohe Schrecke knarzt.
Sehr hoch und schlank strecken sich die Buchen und Eichen in diesem Teil der Hohen Schrecke nach oben. Das Kronendach ist fast geschlossen, der Waldboden bis auf wenige tanzende Sonnenflecken schattig. Der Wind fährt immer wieder in die Bäume, lässt die Blätter rascheln und die Bäume sich knarzend im Wind wiegen. Fast könnte es unheimlich sein, wäre es nicht gleichzeitig so faszinierend.
Waldwissen durch Walderleben
Der gut gepflegte Wanderweg windet sich insgesamt 180 Höhenmeter den Hang entlang, sodass Weitblicke in den Wald hinein möglich sind. Immer wieder finden sich aus Holz gebaute Teleskope, die den Blick der Besuchenden auf den Wald richten: Welche Rolle spielt Totholz? Welche Tierarten leben in einem deutschen Wald? Wem gehört der deutsche Wald? All das sind Fragen, die mithilfe von Schautafeln und kleinen Mitmachaktionen hier beantwortet werden. Aber auch Klettergerüste, Hängebrücke und Aussichtsplattformen laden dazu ein, Wissen über den Wald durch eigenes Erleben zu erlangen. Insgesamt 22 Stationen verschiedene Stationen gibt es entlang des Weges.
Wildnisentwicklung bringt Regionalentwicklung
An diesem Wanderweg zeigt sich, wie Wildnisentwicklung und Regionalentwicklung Hand in Hand gehen können. In der Hohen Schrecke gibt es nicht nur diesen Wanderweg, sondern zwei weitere sogenannte Urwaldpfade – einer davon führt über die 180 Meter lange Hängebrücke, die ein Gemeinschaftswerk von Kommunen, Landkreisen, Unternehmern, Bildungsträgern, Vereinen und auch Privatpersonen ist. Sie alle haben sich im Verein „Hohe Schrecke – Alter Wald mit Zukunft e.V.“ zusammengetan, um die Region sowohl hinsichtlich des Naturschutzes als auch der wirtschaftlichen Entwicklung der Region voranzubringen.
770 neue Hektar Wildnis in der Hohen Schrecke
Erst jüngst gab es hierbei einen neuen Meilenstein zu feiern: Um 770 Hektar wurde das bestehende Wildnisgebiet in der Hohen Schrecke dank der staatlichen Förderrichtlinie KlimaWildnis sowie dank des beständigen Einsatzes der Naturstiftung David erweitert.
Ruhe für ein ungestörtes Naturerlebnis im Wildnisgebiet Hohe Schrecke
Die neuen Flächen befinden sich in unmittelbarer Nähe des Familienwanderwegs Rabenswald, auf dem ich unterwegs war. Es ist ein lohnender Weg – und auch wenn die Hohe Schrecke kein Nationalpark ist, hinsichtlich der Schönheit, der gepflegten Wegeführung und des Informationsgehalts steht sie einem solchen in nichts nach. Ein Bonus zudem: Hier findet man die Ruhe für ein ungestörtes Naturerlebnis, das in beliebten Nationalparken – gerade in Ferienzeiten – ein selteneres Gut geworden ist.
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© Thomas Stephan