Entwicklung von Wildnisgebieten in Schleswig-Holstein
Zwei Prozent Wildnis in Schleswig-Holstein, so lautet das gesetzliche Ziel, das doch eigentlich problemlos zu erreichen sein sollte. Fast täglich begegnet einem das Thema in den Medien. Doch wenn es konkret werden soll, stellt sich die Erreichung dieses Ziels schwieriger als erwartet dar. Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist in großen Teilen Wildnis. Hiervon können Bereiche, die zum terrestrischen Teil Schleswig-Holsteins gehören, in die Berechnung
des Zwei-Prozent-Ziels eingehen.
Auch an der Frage, wie groß Wildnisflächen sein müssen, damit Natur dort Natur sein kann, also möglichst ungestörte natürliche Prozesse ablaufen können, scheiden sich die Geister. Aus ökologischer Sicht gilt: Je größer die Flächen, umso besser. Im Rahmen der Nationalen Biodiversitätsstrategie wurden daher 500 bis 1.000 Hektar als Mindestgröße festgelegt. Die lang anhaltenden landschaftlichen und standörtlichen Veränderungen haben jedoch dazu geführt, dass natürliche, ungestörte Natur nur noch sehr eingeschränkt und meist sehr kleinflächig vorhanden ist. Außerdem soll Natur, sollen auch Wildnisgebiete mit den in ihnen stattfindenden natürlichen Prozessen grundsätzlich für alle erlebbar und umweltpädagogisch nutzbar sein.
Vor diesem Hintergrund sind in Schleswig-Holstein, dem Bundesland mit dem größten Anteil an landwirtschaftlicher Fläche und dem geringsten Waldanteil, durch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume bislang etwa 220 Wildnis- und Wildnisentwicklungsgebiete ermittelt worden. Die Studie wurde 2021 herausgegeben durch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (LLUR).
Die Studie kann als PDF direkt heruntergeladen werden.


Über Jahrhunderte unterdrückte natürliche Prozesse wie Überschwemmungen und der Einfluss großer Pflanzenfresser sollen in Wildnisgebieten, wie die Nationale Biodiversitätsstrategie sie anstrebt, wieder landschaftsprägend sein. Aber Wildnis bringt neben einer eindrucksvollen Artenvielfalt wichtige Ökosystemleistungen für Klimaschutz, Naturerleben und regionale Wertschöpfung hervor. Neben den Flächenkulissen werden daher politische Entscheidungsebenen sowie rechtliche und planerische Instrumente für die Umsetzung beleuchtet.
Die deutschen Nationalparke entwickeln sich positiv. Das zeigen die Ergebnisse der zweiten bundesweiten Evaluierung, die im Bericht „Managementqualität deutscher Nationalparke“ veröffentlicht wurde.
Der Tagungsband
Die Ergebnisse der aktuellen Naturbewusstseinsstudie zeigen: Rund vier Fünftel der Deutschen befürworten die Ausdehnung von Wildnisgebieten, um sehen zu können, wie sich die Natur an den Klimawandel anpasst. Damit wird deutlich: das Schutzkonzept Wildnis als Freilandlabor wird nicht nur akzeptiert, sondern sogar gewünscht. Weiterhin wünschen sich 61 Prozent der Erwachsenen mehr Wildnis in Deutschland. Nur 24 Prozent finden, dass der Bestand an Wildnisgebieten gut so ist, wie er ist und sogar nur zwei Prozent sprechen sich für weniger Wildnis in Deutschland aus. Damit wird deutlich, dass der Großteil der Bevölkerung in Deutschland die Wildnisziele der Bundesregierung mitträgt.

Die Studie „WildnisArten – Bedeutung von Prozessschutz- bzw. Wildnisgebieten für gefährdete Lebensgemeinschaften und Arten sowie für ‚Verantwortungsarten’“ ist eine im Auftrag des Bundesamt für Naturschutz durchgeführte Studie. Die in der Kulturlandschaft selten gewordenen Habitatqualitäten von unzerschnittenen Wildnis- und Prozessschutzgebieten und die auf sie angewiesenen Arten und Biozönosen standen im Mittelpunkt des vorliegenden F+E Vorhabens. Die Studie wurde von Gert Rosenthal et. al. durchgeführt und im Jahr 2021 veröffentlicht. Die 