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Wildnis in Thüringen: Hohe Schrecke wirbt mit Urwaldflair in Berlin

Mit Urwaldflair präsentiert sich das Naturschutzgroßprojekt Hohe Schrecke auf der diesjährigen Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin. „Wir müssen Thüringens Naturschätze noch viel stärker in den Fokus rücken“, sagte Umweltministerin Anja Siegesmund anlässlich ihres Besuchs Berlin. „Die Hohe Schrecke ist ein einmaliger Urwald, in dem Fledermäuse und viele andere Tiere seit Jahrhunderten heimisch sind. Also ein idealer Ort für Naturtourismus und naturnahe Regionalentwicklung“, so die Ministerin.

Umweltministerin Anja Siegesmund und Adrian Johst, Geschäftsführer der Naturstiftung David, präsentieren die „Hohe Schrecke“ auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin (c) Naturstiftung David.

Wildnis-Wald: Wertvoll für Mensch und Natur

Im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes kann der Natur-Wert des alten Waldes erhalten und zugleich für den sanften Tourismus erlebbar gemacht werden. Neben der Natur profitieren auch die Menschen vor Ort von dem Projekt. In der Hohen Schrecke sollen künftig 25 Prozent der Waldfläche als Wildnisflächen ohne Zutun des Menschen wachsen. Der übrige Wald wird naturverträglich genutzt. Ebenso ist vorgesehen, die um den Wald liegenden Steppenrasen und Streuobstwiesen zu erhalten und den naturnahen Tourismus durch die Anlage eines neuen Rad- und Wanderwegnetzes und die Anbindung an Wanderparkplätze sowie den öffentlichen Naheverkehr zu aktivieren. Außerdem sind regionale Vermarktungsinitiativen, z.B. für Obst, Wildbret und Holz sowie die Einrichtung einer 100-Prozent-Erneuerbare-Energien-Region im Einklang mit dem Naturschutz vorgesehen.

Investitionen in Umwelt und Regionalentwicklung

Bundesumweltministerium und Thüringisches Umweltministerium fördern das Naturschutzgroßprojekt mit 12 Mio. Euro, die Landwirtschaftsministerien von Bund und Thüringen unterstützen das Projekt mit 1,25 Mio. Euro. Der Freistaat Thüringen trägt in beiden Fällen 15 Prozent der Investitionen. Im Rahmen der Förderung des naturnahen Tourismus wurden 2016 wesentliche Teile des Wanderwegenetzes hergerichtet. Ab dem Frühjahr 2017 wird das neue Wegenetz nahezu vollständig zur Verfügung stehen. Vor diesem Hintergrund wurde 2016 begonnen, intensiv für einen Besuch der Hohen Schrecke zu werben – u.a. durch die Ausstellung Hohe Schrecke im Erfurter Hauptbahnhof und die Präsentation der Region auf der Internationalen Grünen Woche 2017 in Berlin.

Hintergrund: Hohe Schrecke „Alter Wald neu entdeckt“

In der Hohen Schrecke wächst ein Wald, wie er ohne das Wirken des Menschen in weiten Teilen unserer Breiten vorkäme. Das rund 7.300 Hektar große, unzerschnittene Waldgebiet liegt in Nordthüringen an der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt. Im Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes werden langfristig zwei großflächige Wildnisgebiete mit insgesamt rund 2.000 Hektar etabliert.

Die Hohe Schrecke ist ein national bedeutsames Waldgebiet mit einer in Deutschland einmalig hohen Fledermausdichte (alle in Thüringen vorkommenden Waldfledermausarten kommen in der Hohen Schrecke vor – und das in sehr hohen Populationsdichten). Auch eine Vielzahl von sehr seltenen Käfern konnten in der Hohen Schrecke nachgewiesen werden – allein 15 sogenannte „Urwaldrelikarten“ – ein Spitzenwert für Thüringen. „Urwaldreliktarten“ zeigen vor allem an, dass es hier über Jahrhunderte immer eine Waldtradition gegeben hat – hier also immer Bäume gestanden haben. Trotz ihrer nationalen Bedeutung ist die Hohe Schrecke bundesweit und auch in Thüringen bisher nahezu unbekannt.

Studie: Attraktive Wildnis – Gäste kommen wegen Nationalpark in die Eifel

Die Projektbeteiligten von links nach rechts: Hemma Preisel (links) und Prof. Dipl.-Ing. Dr. Arne Arnberger (2.v.links) von der Universität für Bodenkultur, Wien, Parlamentarischer Staatssekretär des NRW-Umweltministeriums, Horst Becker, Felix Wölfle und Dr. Stefan Türk von der Deutschen Sporthochschule Köln, Michael Lammertz, verantwortlicher Fachgebietsleiter und Theresa Wimmer, Projektbetreuerin von der Nationalparkverwaltung Eifel. (c) F. Küpper

Der Nationalpark Eifel hat sich einer Untersuchung zufolge zu einer touristischen Attraktion entwickelt. Seit 2007 verdoppelte sich die Zahl der Besucher auf 870 000 im Jahr. Jeder zweite Tourist kommt wegen des Nationalparks in die Region. Ebenso bleiben die Übernachtungsgäste mit 4,6 Tagen spürbar länger als damals. Auch auf die Frage wie viel Umsatz und Arbeitsplätze die Nationalparktouristen heute nach 12 Jahren seines Bestehens erzielen, gibt die Studie Auskunft: Lag der Bruttoumsatz 2007 noch bei 8 Millionen Euro ist er jetzt auf 30 Millionen gestiegen. Daraus generieren sich fast 700 Arbeitsplätze. 2007 waren es 265.

„Die Auswertungen zeigen, dass der Nationalpark nicht nur für den Naturschutz von höchster Bedeutung ist, sondern auch für eine erfolgreiche Entwicklung der gesamten Nationalparkregion steht, belegbar durch handfeste Zahlen zu den regionalwirtschaftliche Aspekten“, freut sich der Parlamentarische Staatssekretär des NRW-Umweltministeriums, Horst Becker, über die Entwicklung des Großschutzgebietes und seine positive Auswirkungen auf die Nationalparkregion. Erfreulich ist auch, dass sich fast alle der befragten Einheimischen (90 %) als gut oder sogar sehr gut über den Nationalpark Eifel informiert fühlen. Dem wichtigsten Informationsmedium, der Internetseite für den Nationalpark, gaben die Touristen die Schulnote 1,7.

Weitere Informationen:

Wildnis rechnet sich! Studie zu Kosten-Nutzen des Nationalparks Bayerischer Wald erhält Förderpreis

argumente_naturkapitalDie sehr umfangreiche geographische Dissertation (575 Buchseiten) geht am Beispiel des Nationalparks Bayerischer Wald einer Frage nach, die erstaunlicherweise bislang noch nicht intensiv untersucht wurde, obwohl sie naheliegend ist: Wie sieht unter ökonomischen Gesichtspunkten die Kosten-Nutzen-Bilanz eines Nationalparks aus? Vor allem die Kritiker von Nationalparks führen ökonomische Einbußen an, die v.a. in der Forst- und Holzwirtschaft zu Buche schlagen, um die Ausweitung des Anteils naturbelassener (unbewirtschafteter) Flächen möglichst zu verhindern. Wie hoch diese (vermeintlichen) Schäden sind, bleibt jedoch meist unbestimmt; und ob sie womöglich kompensiert werden, etwa durch eine verstärkte touristische Nutzung des Nationalparks als Erholungsraum, bleibt ebenfalls unklar. Die öffentlichen Debatten sind bei diesen Fragen meist empirisch diffus, weil es kaum ganzheitliche Bewertungen der Kosten und Nutzen gibt.

Diese Forschungslücke wird mit der Studie geschlossen. Erstmals werden an einem konkreten Beispiel verschiedene umweltökonomische Bewertungsansätze im Hinblick auf Kosten wie Nutzen von Nationalparks empirisch verwendet. Die Arbeit gibt Auskunft darüber, welche volks- und regionalwirtschaftlichen Kosten (direkte, indirekte sowie Opportunitätskosten) durch die Etablierung des Nationalparks entstehen sowie ob, und wenn ja, in welchem Umfang diesen Kosten volks- und regionalwirtschaftliche Nutzen gegenüberstehen, die möglicherweise die Kosten übertreffen. Bis es zu dieser empirischen Erhebung kommt, werden in sechs, z.T. recht ausführlichen Kapiteln Untersuchungsgegenstand, Begrifflichkeit wie Methodik dargelegt sowie der Forschungsstand vorgestellt. In Kapitel 9 werden dann – auf der Basis von Befragungen, Experteninterviews sowie Auswertung vorhandenen Datenmaterials – die direkten und indirekten Kosten sowie die Opportunitätskosten des Nationalparks ermittelt, in Kapitel 9 der touristische Gebrauchswert sowie weitere ökonomische Nutzen des Nationalparks. Hierbei zeigt sich bereits, dass die Zahlungs-, Kosten- und Nutzenströme regional unterschiedlich sind: Während die Kosten meist vor Ort anfallen, verteilt sich der Nutzen – entsprechend der Besucherströme – zum Teil auf ganz Deutschland. Es ist ein besonderes Verdienst der Arbeit, hier mehr Klarheit verschafft zu haben.

Eine Besonderheit der Studie gegenüber vergleichbaren Arbeiten ist, dass sie sich bei der Erfassung des Nutzens nicht nur – wie die meisten anderen Arbeiten – auf die touristische Wertschöpfung konzentriert. Der Verfasser konnte vielmehr aufzeigen, dass die touristische Wertschöpfung zwar eine wichtige, aber bei weitem nicht die alleine dominierende Wertkomponente von Nationalparks ist. Der Anteil schwankt – je nach Szenario – zwischen rund 5 und knapp 50 %.

Bei der Erhebung von Kosten und Nutzen zeigt sich zudem, dass die Kosten teilweise eindeutiger zu bestimmen sind (v.a. die direkten Kosten) und weniger volatilen Annahmen und Werturteilen unterliegen als die einzelnen Nutzenkategorien. Dies dürfte ein Grund dafür sein, dass in der Diskussion die Kostenseite stets zu dominieren scheint. So als sei ausgemacht, dass Nationalparks ökonomisch stets ein „Zuschussgeschäft“ seien. Die genaue Auswertung der empirischen Erhebungen und Berechnungen zeigt jedoch ein anderes, differenzierteres Bild: In den meisten vom Autor durchgerechneten Szenarien erweist sich, dass der Nationalpark nicht – wie von interessierter Seite immer wieder behauptet wird – die per se volkswirtschaftlich nachteiligere Landnutzungsalternative darstellt. Dieses durchaus überraschende Ergebnis könnte dazu beitragen, in vorwiegend ökonomisch geführten Debatten die Akzeptanz des Schutzgebietes zu erhöhen.

Weitere Informationen zur Studie auf den Seiten der Gregor Louisoder Umweltstiftung